Lernender Schüler zwischen vielen leeren Schulen

“Es darf in dieser Situation keine Denkverbote geben” – CDU-Gedanken rund um geschlossene Schulen polarisieren

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Die meisten Schulen in Deutschland sind seit Mitte März geschlossen – bis zu den Osterferien fielen für die meisten Schüler somit rund drei Wochen Unterricht aus. Während die ersten Schulen bereits jetzt große Probleme damit haben, die Rückkehr ihrer Abschlussklassen unter den Auflagen des Infektionsschutzes zu organisieren, gibt es von zwei CDU-Politikern polarisierende Denkanstöße, mit dem Unterrichtsausfall umzugehen. 

Es waren bewusst gewählte Worte, die der Bundestagspräsident und CDU-Politiker Wolfgang Schäuble am Freitag gegenüber der Augsburger Allgemeinen äußerte. Er sprach sich für eine Verkürzung der diesjährigen Sommerferien aus, damit der durch die Schulschließungen versäumte Stoff nachgeholt werden könne. Obwohl er für seine Worte scharfe Kritik aus den Reihen der Tourismusbranche und des Deutschen Lehrerverbandes erntete, stieß er offenbar auf Sympathien. Einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag der Augsburger Allgemeinen zufolge sprechen sich über 55% der Befragten für eine Verkürzung der Sommerferien aus – allerdings liegen die höchsten Zustimmungswerte in der Altersgruppe der Befragten über 65 Jahren (63%), weniger Zustimmung findet sich in der Altersgruppe der Befragten zwischen 40 und 49 Jahren (43,2%). Große Ablehnung erfährt Schäuble hingegen beispielsweise vom bayrischen Ministerpräsidenten Söder (CSU) oder der Nordrhein-Westfälischen Bildungsministerin Gebauer (FDP). Sie bezeichnete termingerechte Ferien als “Rückkehr zur verantwortungsvollen Normalität” und ergänzte auch, dass es für eine Änderung der Ferien einen Beschluss der Kultusministerkonferenz bräuchte. 

Dem Ansatz der “Rückkehr zur verantwortungsvollen Normalität” folgt der CDU-Bundestagsabgeordnete Sepp Müller offenbar nicht: Im Interview mit der Mitteldeutschen Zeitung fordert er den Ausfall der Pfingstferien und die Einführung einer Sechs-Tage Woche für Schüler und Lehrer bis zum Ende des Schuljahres. Außerdem forderte er, dass es in der aktuellen Situation “keine Denkverbote” geben dürfe. Der Unterricht an Samstagen würde laut Müller eine weitere Aufteilung von Kursen ermöglichen. Allerdings sprach sich der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger im Deutschlandfunk zuletzt für das verstärkte Lernen von Zuhause aus, da doppelt so viele Klassenräume und Lehrkräfte benötigt wurden, um alle Schüler gemäß der Hygienevorschriften zu unterrichten. 

Vielleicht könnte sich Müllers Forderung nach der Aufhebung von Denkverboten auf eine verstärkte staatliche Unterstützung von Online-Unterricht übertragen lassen. Nach Angaben des Bundesministeriums für Bildung und Forschung stünden bis zu 100 Millionen Euro aus dem DigitalPakt Schule zwischen Bund und Ländern bereit, um die digitale Infrastruktur an Schulen auszubauen und zu stärken. In Anbetracht der aktuellen Situation und einer möglichen zweiten Infektionswelle erscheint diese Option wesentlich sicherer und vernünftiger. 

Peer Schwiders

Ich bin seit meiner frühen Kindheit medienverrückt, moderierte im Alter von neun Jahren zum ersten Mal beim Radio und durfte im Laufe meiner Jugend dann europaweit für mehrere Medien die Proteste verschiedenster Umweltorganisationen begleiten und dokumentieren. Bei "Der Jungreporter" schreibe ich hauptsächlich über Debatten rund um (Bildungs-)Politik und Medienkritik, derzeit nehme ich außerdem am internationalen Projekt "Media & Me" teil und leite ein Online-Medium zur politischen Partizipation Jugendlicher.
In meiner Freizeit trifft man mich im Ruhrgebiet im Umfeld des FC Schalke 04 und beim Spazieren mit meinem Hund in der Natur.

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