Zwischen emotionalen Szenen, tollen Zeiten und der Schule – Fabian von “KUNTERGRAU” im Interview

Die dritte und letzte Staffel der schwulen Webserie “KUNTERGRAU” ist erschienen: Wir haben uns mit Fabian Freistühler getroffen und mit ihm über seine Rolle gequatscht.
In der Serie geht es nicht nur friedlich zu, hier: Schwulenfeindliche Gewalt - Foto: Screenshot aus der Webserie "Kuntergrau"
In der Serie geht es nicht nur friedlich zu, hier: Schwulenfeindliche Gewalt – Foto: Screenshot aus der Webserie “Kuntergrau”
Fabian Freistühler (Foto: Yannic Kötter)
Fabian Freistühler – Foto: Yannic Kötter

Fabian Freistühler, der “Jan” in der schwulen Webserie “KUNTERGRAU” spielt, ist angehender Englisch- & Geschichtslehrer und wohnt derzeit in Berlin. Wir durften ihn für euch interviewen und sprechen mit ihm über die frisch erscheinende Staffel 3 der schwulen Serie und vieles mehr, was Fabian und die Serie betrifft.

In “KUNTERGRAU” geht es um eine Truppe junger und schwuler Männer auf dem Weg ins Erwachsenenleben. Auf dem Weg dorthin werden sie immer wieder mit der Suche nach Freundschaft, Liebe und Sex konfrontiert. Das ehrenamtliche Projektteam des LSBT*Q-Jugendzentrums “anyway” in Köln zeigt dabei nicht nur die bunten und fröhlichen Seiten des Lebens, sondern auch Probleme und Schwierigkeiten, wie das Leben mit HIV, Gewalt oder Homophobie, bis hin zum eigenen Coming-out.

Du spielst in der Serie “KUNTERGRAU” die Rolle Jan. Wie kam es dazu, dass du in der Serie mitspielst?

Als die Arbeiten an “KUNTERGRAU” begonnen haben, habe ich noch gar nicht in Köln gewohnt und wusste deshalb nicht wirklich viel vom “Anyway” (Anmerkung d. Redaktion: Jugendzentrum speziell für homo-, bi-, und transsexuelle Jugendliche in Köln). Unser Komponist Max war damals allerdings schon Teil des Projektes und hat mir in der Schule vom Casting erzählt, da er von meiner Liebe zum Schauspiel wusste. Ich bin also kurzerhand mit meiner Mutter aus Essen nach Köln gefahren und konnte dann beim Casting zum Glück auch überzeugen.

In der Produktion hast du mehrere unangenehme Szenen durchgemacht. Wie war es für dich, in der Serie mehrere solcher Szenen zu drehen?

Emotionale und “unangenehme” Szenen zu drehen ist immer eine Herausforderung. Gar nicht unbedingt, weil die Atmosphäre am Set unangenehm wäre, sondern vielmehr, weil man ein authentisches Endprodukt schaffen möchte, dass die Emotionen und angesprochenen Problematiken herüberbringt, ohne überzeichnet zu wirken. Die Schwierigkeit liegt also darin, sich in die jeweiligen Emotionen und Situationen hineinzuversetzen, obwohl man am Tag des Drehs persönlich vielleicht in einer ganz anderen Stimmung ist.

Wie war es denn so allgemein für dich? – Vier Jahre “KUNTERGRAU” gehen sicher nicht spurlos an dir vorbei, oder?

Die tolle Zeit mit “KUNTERGRAU” ist definitiv nicht spurlos an mir vorbeigegangen. Wir sind alle zu einer großen Familie geworden und langsam realisieren wir, dass es tatsächlich vorbei ist. KUNTERGRAU war für viele Jahre ein Projekt, in das ich immer wieder zurückkehren durfte und das ist jetzt vorbei. Trotzdem bin ich unheimlich dankbar für diese tolle Zeit, in der ich wunderbare Menschen kennenlernen durfte, die gemeinsam ein Projekt auf die Beine gestellt haben, an dem ich unheimlich gewachsen bin und auf das ich immer stolz sein werde. Wir haben eine Reichweite geschaffen, von der wir Anfangs niemals zu träumen gewagt hätten und es ist schön zu sehen, wie vielen Menschen wir damit helfen konnten.

Foto: "Kuntergrau" / anyway Köln
Foto: “Kuntergrau” / anyway Köln

Und nun? Lieber Schauspieler oder doch einen Büro-Job ausüben?

Vielleicht eine Mischung aus beidem? Ich werde Lehrer für die Fächer Englisch und Geschichte.

Du hast in der ersten Folge der dritten Staffel hast du einen neuen Freund mit dem Namen “Max”. Wer ist er? Erzähl uns gerne etwas über ihn.

Jawoll, Jan hat es tatsächlich mal geschafft. Nach den Dramen der ersten beiden Staffeln wurde ihm ein wunderbarer Freund gegönnt, der als Praktikant aus den USA nach Deutschland gekommen ist. Mit ihm hat Jan zum ersten Mal jemanden gefunden, der immer an seiner Seite ist und ihn bei allem unterstützt. Vor allem nach dem Trauma, welches wir in Staffel drei behandeln, ist Max die Stütze, die Jan unbedingt braucht. Jan und Max haben sich recht schnell ineinander verliebt und sind seitdem ziemlich unzertrennlich, jetzt müssen sie allerdings eine Lösung für die drohende Fernbeziehung finden, man darf also gespannt bleiben. 😉

Wer direkt Lust bekommen hat, die Serie zu schauen: Hier der Trailer! (Video: KUNTERGRAU)

Leopold und du werden in der ersten Folge von drei homophoben Menschen verbal und körperlich angegriffen. Leider sind diese Übergriffe keine Seltenheit. Hast du Tipps für Leser*innen, was sie machen können, wenn sie angegriffen werden?

LAUT SEIN. Wir sind nicht alle in der Lage, körperlichen Widerstand zu leisten, deswegen müssen wir Aufmerksamkeit erregen. Auch wenn es in solchen Situationen schwierig sein kann, ist laut zu sein die wohl größte Hilfe. Das gilt selbstverständlich auch dann, wenn man Zeuge einer solchen Tat wird. Manchmal mag einschreiten keine große Hilfe sein, laut zu schreien und die Polizei zu rufen aber schon. In vielen Fällen kann das die Täter*innen schon abschrecken und damit teilweise Leben retten. Nach einem solchen Überfall ist es außerdem unheimlich wichtig, dass die Straftaten angezeigt werden, damit sie in die Statistik aufgenommen werden. Und ja, auch verbale Übergriffe können und sollten schon angezeigt werden, damit homophobe Übergriffe hoffentlich bald bundesweit als die Gefahr anerkannt werden, die sie sind. Zur Beratung und Hilfe gibt es außerdem nach wie vor das schwule Überfalltelefon.

Vielen Dank für das Interview!

Du suchst selbst Hilfe, oder wurdest aufgrund deiner Sexualität angegriffen? In vielen Städten gibt es schwule Überfalltelefone – wie zum Beispiel in Düsseldorf (0211 19228) – das schwule Überfalltelefon der Aidshilfe Düsseldorf e.V., du erreichst in Berlin das Telefon des schwulen Anti-Gewalt-Projektes „MANEO“ unter 030 2163336 oder in Köln das Telefon des Lesben- & Schwulenverbands NRW unter 0221 19228.
Weitere Beratungsstellen hat die Initiative ENOUGH is ENOUGH! zusammengefasst. Du kannst dich auch an einen der Landesverbände des deutschlandweit organisierten Lesben- und Schwulenverbands wenden.

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