Blutspende, bunte Neonleuchten

Sex mit dem gleichen Geschlecht haben – und kein Blut spenden dürfen: Wie Schwule und Bisexuelle diskriminiert werden

4 Minuten Lesezeit

Gestern war der internationale Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transphobie, doch wie bunt ist unsere Welt wirklich? Unser Redakteur Lukas Hinz hat sich diese Frage gestellt, warum schwule und bisexuelle Männer immer noch stigmatisiert und diskriminiert werden, nur weil sie Sex mit Männern haben. Mit dabei: Eine selbst erlebte Story!

Wir schreiben das Jahr 2020 in Berlin. Ich bin mit einem guten Kumpel, nennen wir ihn Moritz (Name geändert), der zum Studieren nach Berlin gezogen ist, verabredet. Er möchte Blut spenden. Angekommen bei der Blutspendestelle werden wir ziemlich schnell empfangen. Wir gehen in einen kleinen Raum, in dem zwei Ärzte und fünf Pflegerinnen sind, Moritz bekommt einen Fragebogen, den er ausfüllen muss. An Punkt 54 ” Männer, die Sexualverkehr mit Männern haben oder hatten (MSM)?” scheitert es dann im Endeffekt. Moritz ist seit drei Jahren mit seinem Freund zusammen, seit einem Jahr sind die beiden verheiratet. Die beiden machen regelmäßig HIV-Tests und haben Sex ausschließlich mit Kondom.

Ablauf einer Blutspende
Wie läuft eine Blutspende ab? – Grafik: Der Jungreporter, Datenquelle: blutspende.de

Moritz hat den Spender-Fragebogen gewissenhaft ausgefüllt und abgegeben. Keine zwei Minuten kommt ein Arzt aus einem Zimmer und brüllt zu Moritz: “Tut mir leid, da sie in den letzten 12 Monaten Sex mit einem Mann hatten, darf ich sie nicht spenden lassen.”, ich bin fassungslos und spreche den Arzt auf sein indiskretes und unfaires Verhalten gegenüber Moritz an, doch ich werde nicht gehört und er geht weiter. Mehrere SpenderInnen brechen ihre Spende ab. Sie sind, genau wie ich, fassungslos. Eine Pflegerin entschuldigt sich bei Moritz und bittet uns zu gehen. Draußen sprach uns eine Frau an, die das ganze mitbekommen hat. Sie spricht Moritz Mut zu und sagt, dass sie es toll fände, das Moritz Blut spenden möchte. Über den ganzen Tag merke ich eine bedrückte Stimmung. Als ich mich dann am Abend mit seinem Ehemann unterhalte, erfahre ich auch, warum die Stimmung so bedrückend war. Moritz hat Blutgruppe Null-Negativ, genau wie sein Vater. Seine Mutter verstarb 2014 bei einem Autounfall, sie verblutete. Moritz fühlt sich verpflichtet, Blut zu spenden, damit so etwas nicht anderen auch passiert.

Doch was soll denn Punkt 54 nun dort im Fragebogen? Politisch korrekt ist das auf jeden Fall nicht! Blutspende-Dienste sagen dazu, dass Männer, die Sex mit Männern hatten, ein erhöhtes Risiko haben, sich an HIV zu infizieren. Die Bundesärztekammer beruft sich deshalb auf ein diagnostisches Zeitfenster von 12 Monaten, nach dem man feststellen kann, dass der Spender kein HIV hat. Jana Aulenkamp, Ärztin und Mitglied im Verein “Hashtag Gesundheit e.V.”, sagt in einem Interview mit “represent” (Angebot von funk), dass dieses Zeitfenster nicht mehr zeitgemäß ist. Die deutsche AIDS-Hilfe geht von 6 – 13 Wochen aus, bis eine HIV-Infektion sicher ausgeschlossen werden kann. Kanada und Großbritannien haben die Abstinenz-Zeit bereits auf drei Monate angepasst. Das Paul-Ehrlich-Institut, dass an der Ausarbeitung des Transfusionsgesetz maßgeblich mitarbeitet, sagt dazu bei “represent”, dass die Erfahrungen der nächsten Jahre zeigen müsse, ob dieser Zeitraum weiter reduziert werden könne.

Doch werden damit nicht schwule und bisexuelle Männer diskriminiert? Ja, denn es wird nur nach Schema F vorgegangen und damit Männer stigmatisiert und dadurch auch diskriminiert. Vor allem junge Männer leiden darunter, und werden deshalb immer häufiger drogenabhängig, wie die Deutsche AIDS-Hilfe beobachtet hat.

Du hast ähnliche Erfahrungen gemacht? Erzähle uns davon! Wir freuen uns auf deine Kommentare!

Beitragsbild: Collage: Der Jungreporter, verwendete Fotos: unsplash.com

Lukas Hinz

Neben Kaffee, meinem Handy und der Schule gehört eins zu meinem Alltag: Die Liebe zum Journalismus. Als 17-jähriger Hamburger Jung’ beschäftige ich mich vor allem mit Politik, Musik, Verkehr und Technik. Ich bin Mitglied der SPD, in einer christlichen Gemeinde aktiv und mache Social-Media für verschiedene Projekte.
Zwar bin ich kein direkter Hamburger, sondern eigentlich Niedersachse, aber das vergessen wir lieber ganz schnell wieder ;).

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