/

Interrail – mit dem Zug durch Europa

Entstanden in den 70ern und heute wieder populär: das Interrailticket. Warum sich eine Europareise lohnt und wieso das Zugfahren nicht so schlimm ist, wie viele denken.

9 Minuten Lesezeit

Schon während der Schulzeit werden wir Schüler oft dazu motiviert, ein passendes Studium oder eine Ausbildung zu finden, sodass es nach dem Schulabschluss direkt weitergehen kann. Manch einer weiß direkt was zu ihm passt, andere wiederum entscheiden sich nach dem Abitur für ein FSJ oder FÖJ. Dann gibt es auch diejenigen, die sich letztendlich für irgendeinen Studiengang wie beispielsweise „Lehramt“ oder „BWL“ einschreiben, da man damit bekanntlich immer etwas anfangen kann und man schließlich irgendetwas studieren muss. Vor dieser Herausforderung steht jeder von uns einmal. Und so ziemlich jedem fehlt zunächst die Orientierung und ist mit all den Möglichkeiten heutzutage erstmal überfordert.

Viele schlagen deshalb zunächst einen ganz anderen Weg ein, weg von Schule, Uni und Co. : ein Jahr ins Ausland. „Work and Travel“ in Australien oder Neuseeland oder als AuPair in die USA sind die beliebtesten Ziele.

Was für mich ganz persönlich nach dem Abitur dieses Jahr feststand, war, dass ich mehr von der Welt sehen wollte: neue Kulturen, andere Landschaften, wollte selbstständiger werden und das Zuhause einfach mal hinter mir lassen. Aber ein Jahr in Neuseeland war mir irgendwie etwas zu weit weg, ziemlich teuer und etwas zu lang.

Dann doch ein Studium beginnen? Nein, das fühlte sich für mich direkt nach der stressigen Abiphase auch nicht richtig an. Außerdem weiß ich auch noch gar nicht genau, was da am Besten zu mir passt. Ich wollte nicht schon wieder büffeln, aber auch nicht ein ganzes Jahr weg von Zuhause sein. Ich brauchte irgendwie eine Phase, in der ich mich ausprobieren und orientieren kann und in der ich mir ein besseres Bild von der Welt um mich herum machen kann. Ich wollte auf jeden Fall erstmal reisen!

Also entschied ich mich mit einem Schulfreund zusammen eine Interrailreise zu starten. Und ich kann es jedem jungen Europäer empfehlen, ja eigentlich jedem reiselustigen Menschen, egal wie alt er ist!

Vergrößern

Frieda Krukenkamp auf Interrail-Reise, hier in Venedig
Venedig

Frieda Krukenkamp

Für all diejenigen, die nicht wissen was „Interrail“ überhaupt ist: Mit nur einem Zugticket kann man durch 31 Länder der Europäischen Union recht günstig und bequem reisen. Wann und wo man hinreisen möchte, ist jedem selbst überlassen. Es gibt mittlerweile zahlreiche Ticketoptionen: ein Land oder fast ganz Europa, ob alleine oder in der Gruppe, zwei Wochen oder ganze drei Monate, 1. oder 2. Klasse, von Jugendlichen bis Senioren. Jeder kann so individuell und spontan reisen wie er möchte.

Wir kauften uns den sogenannten „Global Pass“ für volle 2 Monate. Unsere Reise führte uns letztendlich in 7 Wochen durch 10 verschiedene Länder und insgesamt 22 Orte. Gestartet in den Niederlanden, durch Belgien nach Frankreich, dann in die Schweiz, runter nach Spanien, schließlich Italien, Slowenien, Österreich, die Slowakei und zuletzt Tschechien.

Wir haben wahnsinnig viele Eindrücke sammeln können und daher gibt es viel zu berichten. Hier nenne ich euch allerdings die meiner Meinung nach wichtigen Erkenntnisse und hoffe, dass ich euer Bild von einer Zugreise durch Europa positiv prägen kann.

Vergrößern

Viele Bändchen: Rocco del Schlacko, Interrail, electro magnetic, ...

Frieda Krukenkamp

Zugfahren ist nämlich nicht so stressig und schlecht, wie viele behaupten. Während unserer Reise wurden wir sogar ungewollt zu richtigen „Zugfans“. Wir freuten uns am meisten auf die längeren Fahrten. Wenn man einen guten Platz bekommt, kann man in aller Ruhe lesen, Karten spielen, etwas essen, schlafen, mit etwas Glück sogar im Internet mit kostenlosem Wlan surfen oder einfach die Landschaft genießen. Es kommt aber tatsächlich auf die Zugstandards jedes Landes an. In Österreich, der Schweiz, Tschechien und den Niederlanden waren wir besonders positiv überrascht. Aber auch in den anderen Ländern konnte man sich nicht wirklich beschweren. Die Züge waren auch alle überwiegend pünktlich. 10 Minuten Verspätung ist, denke ich, kein Grund das Zugfahren zu verteufeln. Dennoch: es muss wesentlich mehr getan werden, damit das Zugfahren allgemein beliebter und bezahlbarer für alle wird. Zugnetze müssen ausgebaut werden, zu begrüßen wären schnelleres Internet und flexiblere Abfahrtszeiten. Das hätte nicht nur wahnsinnige ökologische Vorteile, sondern wir könnten alle entspannter und letztendlich sogar schneller an unsere Ziele kommen.

Über die gesamte Reisezeit hat jeder von uns aus nur einem Rucksack gelebt, was auch viel einfacher und unkomplizierter war, als ich befürchtet hatte. Man kommt wirklich mit weniger aus, als man denkt und merkt, welche Dinge wirklich wichtig sind. Übernachtet haben wir in Hostels, Airbnb´s oder bei Freunden. Es ist heutzutage, dank vieler hilfreicher Reiseapps und Buchungsportalen, wirklich einfach Unterkünfte zu finden und auch die Orientierung verliert man, dank der Kartenapp auf jedem Handy, so schnell nicht.
Eine weitere sehr wichtige Erkenntnis für mich: Als EU-Bürger genießt man ein wirklich großes Privileg. Es ist eigentlich nicht selbstverständlich, dass man 10 Länder besucht und dabei an keiner Grenze angehalten und kontrolliert wird. Egal in welchem europäischen Land wir uns befanden, ich fühlte mich irgendwie aufgehoben und sicher und nicht ganz fremd. Das soll aber nicht heißen, dass durch die EU die landestypischen Kulturen oder Identitäten verloren gehen, wie es so mancher Nationalist heutzutage behauptet, um damit gegen die EU als Institution zu argumentieren. Ganz im Gegenteil: Europa ist wahnsinnig vielfältig an unterschiedlichen Menschen und Traditionen und daher sehr interessant zu bereisen. Wir merken nur leider in den einzelnen Ländern noch viel zu wenig von den Vorteilen der EU. Natürlich gibt es massive Probleme in der Europäischen Union, die man viel ernster nehmen muss als zuvor, aber deshalb gleich die ganze europäische Idee in Frage stellen und alles zurück auf nationale Ebenen bringen? Wenn ich eins gemerkt habe während der Reise, dann dass wir in Europa irgendwie eins sind und effizienter und effektiver miteinander zusammenarbeiten müssen als vorher, um heutzutage wirklich was zu bewegen.

Eine Reise mit dem Zug durch Europa lohnt sich vor allem für junge Menschen in vieler Hinsicht.


Wer neugierig geworden ist und nähere Informationen möchte, sollte auf jeden Fall die offizielle Webseite von Interrail besuchen: https://www.interrail.eu/de/interrailpaesse/was-ist-interrail

Wer mehr über meine ganz persönlichen Erfahrungen lesen möchte oder Bilder sehen will, kann hier vorbeischauen: https://friedakruk.wordpress.com, https://www.instagram.com/friedarichkruklang/

Frieda Krukenkamp

Hey ich heiße Frieda, bin 18 Jahre alt und habe dieses Jahr mein Abitur in Saarlouis gemacht. Ich interessiere mich vor allem für Themen wie Politik, Kultur und Musik und versuche bei „Der Jungreporter“ auch dich damit auf dem Laufenden zu halten. Außerdem reise und fotografiere ich für mein Leben gerne. Bei Fragen oder Anregungen kannst du mir gerne über E-Mail oder Instagram schreiben.

Unterrichtsausfall am DFG Saarbrücken geht weiter

Globaler Klimastreik in Saarbrücken