Mensch am Computer

Pressefreiheit der Frau

7 Minuten Lesezeit

Frauen im (Politik-) Journalismus

Art.5 GG: Freiheit der Meinung, Kunst und Wissenschaft


„Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten.[…]“


So legt unser Grundgesetz der BRD die Pressefreiheit fest. Jedoch sah die Situation für Journalistinnen bis in die 70er Jahre ganz anders aus: Das Recht, das zu schreiben und zu veröffentlichen, was sie wollten, hatten sie zwar, trotzdem wurde von einer Frau kaum etwas anderes gedruckt als Beiträge über Kochrezepte, Reiningungstipps oder Berichte über die neusten Schönheitsikonen.

Marlies Hesse, die Frau nach der seit 2013 einer der anerkanntesten Preise für junge Journalistinnen benannt ist, beschrieb den Umgang mit Frauen während der Siebziger Jahre in einem Interview mit der TAZ. Sie umschrieb den Job, in dem sie arbeitete als „Domäne Mann“. Als sie dann Pressechefin wurde, fiel ihr das eigentlich unübersehbare auf: Dadurch, das Frauen immer nur der Kulturteil oder den Job als Nachrichtensprecherin, ohne Inhaltsverantwortung, zugewiesen wurde, hatten sie weitaus geringere Karrierechancen als Männer. Auch Frauen wie Ingrid Kolb, die als Redakteurin in den frühen Siebzigern beim „Spiegel“ arbeitete, bemerkten diese Nachteile bald. Fast bildlich für die damalige Situation erzählt sie in einem Artikel von Fabienne Hurst von einem Vorfall, bei dem ihre Titelstory nicht veröffentlicht wurde. Die Journalistin schrieb einen Beitrag über die Erfolge der deutschen Frauenbewegung, welcher natürlich nicht gedruckt wurde, mit der Argumentation, sie sei „zu engagiert“.

Stattdessen erschien ein Beitrag von einem männlichen Kollegen, der den Titel „Zurück zur Weiblichkeit“ trug. Das Titelbild, welches nach der Ablehnung von Kolb’s Artikel extrem provokant war, zeigte eine nackte Frau mit ihrem ebenfalls nackten Kind. Jedoch wechselte die junge Reporterin dann zum Stern und traf mit ihrem Report über Belästigung am Arbeitsplatz genau den Nerv der Zeit. Damals erklärten Männer den Artikel für unerhört und primitiv, Frauen fühlten sich verstanden und zeigten ihre Unterstützung. Heute gibt es keine solche Welle an Empörung mehr, wenn eine Frau über etwas anderes als Kochrezepte schreiben will und trotzdem hat sie noch die Freiheit dies zu tun, falls sie möchte. Den Weg dorthin haben Frauen wie Ingrid Kolb oder Marlies Hesse durch ihren Aktivismus und Förderung junger Journalistinnen und Frauen allgemein geebnet.

Trotzdem sind wir heute noch nicht da, wo wir gerne wären. Laut der jb-Pressemitteilung
zum GMMP 2015 liegt die Präsenz von Frauen in deutschen Nachrichten bei durchschnittlich 28%. Obwohl es bei der „Overall presence of women“ eine signifikante Steigerung gab, (von 21% Frauen, die sich an Nachrichten beteiligen, im Jahre 2010 auf 33% im Jahre 2015) war diese vor allem im Bereich der Redakteurinnen in TV-Nachrichtenstudios und der Fernsehreporterinnen zu verzeichnen. An sich ist natürlich jede Steigerung zu begrüßen, jedoch handelt es sich hier nicht um Frauen die der tatsächliche Gegenstand der Nachrichten sind. Beim Print-Bereich spricht die offizielle Pressemitteilung von einem regelrechten „Gender-Gap“, da dort nur 31% der Reporter*innen weiblich waren. Auch hier wird im Bereich der politischen Nachrichten erneut von einer „Männer-Domäne“ gesprochen.

In ihrem Artikel „Unter Anzugjungs“ über Frauen im Politikjournalismus, schildert Anja Maier ähnliche Eindrücke. „Zuverlässig sind wir Frauen in der Unterzahl“, schreibt sie. Damit spielt sie auf die Zwei-Drittel-Mehrheit an, die Männer bei all den Pressekonferenzen oder Briefings, an denen sie bisher teilnahm, innehatten. Die Politikjournalistin schilderte diese Beobachtung der Medienforscherin Elizabeth Pommer. Diese erklärte das Phänomen des Gefühls von „Wir haben doch jetzt genug Frauen“, das sich einstellt, sobald Frauen mit einem Drittel repräsentiert sind.

Aus dieser Erkenntnis lässt sich eine Sache schließen: „Frauen müssen ja auch aufholen – wohlgemerkt quantitativ, nicht qualitativ.“, wie Frau Hesse es in Worte fasste. Dies funktioniert nur, wenn die Subvention auch von Seiten der Männer erfolgt, denn diese haben nunmal in allen Bereichen, vor allem in den Chefetagen, die Mehrheit inne.

Bild: unsplash.com / Tim Gouw

Pressefreiheit:
„die Freiheit, Tatsachen, Meinungen (Gedanken) Stellungnahmen und Wertungen durch jede
Art von Druckerzeugnissen (z.B. Bücher, Zeitungen, Flugblätter) zu verbreiten.“

(Definition der Pressefreiheit laut der Bundeszentrale für politische Bildung)

Dies ist eines unserer wertvollsten Privilegien, welches in verschiedenen Zeiten, in verschiedensten Ländern, für verschiedene Menschen nicht galt und heute teilweise immer noch nicht gilt. Deshalb lohnt es sich, immer dafür einzustehen und es zu schützen und zu schätzen. Es wurde aus gesellschaftlichen Gründen auch Frauen verwehrt. Jedoch haben wir seitdem einen langen und erfolgreichen Weg hinter uns. Die Zustände, die heute vorliegen sind ein Fortschritt, der noch perfektioniert werden muss, der noch perfektioniert werden kann. Repräsentation von Menschen die diese Freiheit und dieses Privileg nutzen wollen, reicht nicht nur zu einem gewissen Prozentsatz aus, auch wenn das ein Ansatz ist.


Eines sollte man auch bei allem Fortschritt und allen Privilegien nicht vergessen: „Wie andere Dinge auch ist diese Gleichberechtigung nie wirklich gesichert. Das sind immer Dinge, um die man ringen muss.“ – Ingrid Kolb

Beitragsbild: pixabay.com / Free-Photos

Verena Seiberth

Ich bin 16 Jahre alt und momentan besuche ich die 11. Klasse am Albertus-Magnus-Gymnasium in St. Ingbert. Besonders interessant finde ich die Bereiche Politik, Kultur und Gesellschaft. Die journalistische Arbeit ist neben Lesen, Laufen, Freunde treffen und mich als stellvertretende Schülersprecherin in der Schule zu engagieren, ein großer Teil meines Lebens und hoffentlich auch meiner Zukunft.

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