Nordkorea: Das Land ohne Pressefreiheit

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Ein Land ohne Pressefreiheit – Was viele durch Innovationen wie das Internet und Soziale Netzwerke heutzutage vermutlich eher für abwegig halten würden, ist in Nordkorea Realität. Die weltweit einzigartige Abschottung sorgt in unserem Alltag für Desinformation und Ungewissheit, für die Menschen in Nordkorea bedeutet sie die Gefangenschaft zwischen Armut und staatlicher Propaganda. Das ostasiatische Land belegt auf der jährlich erscheinenden Rangliste der Pressefreiheit der NGO Reporter ohne Grenzen den letzten Platz.

Doch wie gelingt es dem nordkoreanischen Regime, über 25 Millionen Menschen seit Jahrzehnten zu isolieren und trotz der schrittweisen Öffnung des Landes für Touristen und Journalisten die Informationshoheit zu bewahren? Ein Blick hinter die wohl umfangreichste Propagandamaschine der Welt.

Die Grundlage für die Abschottung der Demokratischen Volksrepublik Korea, wie das Land übersetzt nach seiner Verfassung heißt, bietet das politische System rund um den Machthaber Kim Jong-un und die herrschende Einheitspartei Partei der Arbeit Koreas, welche den Regierungsapparat dominiert. Zwar gibt es alle fünf Jahre politische Wahlen – diese werden jedoch von internationalen Beobachtern als Scheinwahlen angesehen und entsprechen beispielsweise nicht den Grundsätzen für politische Wahlen in Deutschland. Demnach gilt eine Wahlpflicht, außerdem müssen die Stimmzettel unterschrieben abgegeben werden. Allerdings ist die Führungsrolle der Arbeiterpartei in der Verfassung festgeschrieben, die Wahlen dienen de facto vor allem als Volkszählung und auch als Druckmittel, um Flüchtlinge ausfindig zu machen. Das Parlament tagt nur zweimal jährlich und ist praktisch machtlos, die Führung des Landes erfolgt über das Politbüro der Arbeiterpartei.

Die Medienlandschaft in Nordkorea ist – wie das politische System – auf die führende Arbeiterpartei und insbesondere den Herrscher Kim Jong-un ausgerichtet. Die wenigen nordkoreanischen Medien beziehen ihre Informationen vor allem durch die Zentrale Koreanische Nachrichtenagentur (KCNA), welche sich inhaltlich vor allem propagandistischen Inhalten und den Aktivitäten der Führungsebene widmet. Dokumenten zufolge wird medial nach einem “permanenten Informationsplan” gearbeitet, welcher sich die Darstellung der Größe von Kim Il-sung und Kim Jong-Il zur obersten Priorität gesetzt hat. Es folgen Aspekte wie die positive Berichterstattung über den nordkoreanischen Sozialismus, die Verurteilung von Korruption und Kritik an den politischen Systemen anderer Länder, primär Japan und den USA. Neben ideologischen Inhalten stehen auch die aktuellen Tätigkeiten Kim Jong-uns im Zentrum der Berichterstattung, im Staatsfernsehen wurde im Jahr 2019 während der Hauptnachrichten ganze 1133 Mal über die Tätigkeiten des Diktators gesprochen.

In Nordkorea besitzen lediglich hohe Angehörige des Regierungsapparates einen mehr oder weniger freien Zugang zum Internet, der Rest der Bevölkerung surft im staatlichen Intranet, welches alle ausländischen Websites strikt sperrt. Zu den bekanntesten Medien in Nordkorea gehören Rodong Sinmun, Zeitung aus der Feder der Arbeiterpartei, der Radiosender Radio Pjöngjang und der Fernsehsender KCTV, dessen Nachrichtensendungen weltweit mediale Beachtung finden – beispielweise nach dem Tod Kim Jong Ils 2011 oder bei medial groß inszenierten Raketentests. Das Sendeschema gleicht einer Dauerwerbesendung für politische Propaganda, nach dem Beginn des werktäglichen Programms um 15:00 Uhr mit der Nationalhymne sowie Liedern zum Gedenken an die beiden verstorbenen Machthaber Kim Il-sung und Kim Jong-il folgen hauptsächlich Dokumentationen mit den Errungenschaften der politischen Führung und dreimal täglich Nachrichtensendungen.

Die Nachrichtensprecher sind dabei in aller Regel keine Journalisten, sondern Schauspieler – die bekannteste ist die langjährige Chefsprecherin Ri Chun-Hee, welche durch ihre dramatische und emotionale Präsentationsweise bekannt wurde. So verkündete Sie beispielsweise den Tod Kim Jong-ils im Jahre 2011:

Video der Agence-France Presse (afp.com)

Die nordkoreanischen Medien stehen nicht für Journalismus, sondern für unreflektierte Propaganda für die Staatsführung. Der Empfang ausländischer Medien steht in Nordkorea unter Strafe – Berichten zufolge drohen bei Zuwiderhandlungen Strafen von einer Einweisung in ein Arbeitslager bis zu öffentlichen Hinrichtungen. Durch die zentrale Steuerung jeglicher Informationen über die staatliche Nachrichtenagentur mangelt es auch im Ausland oft an sicheren Informationen rund um das nationale Geschehen, spürbar wurde dies zuletzt nach der rund dreiwöchigen Abwesenheit Kim Jong-uns und daraufhin entbrannten Debatten um den gesundheitlichen Zustand des Diktators.

Während sich der Internetzugang sehr zuverlässig regulieren lässt, finden Teile der nordkoreanischen Bevölkerung ihren Kontakt zur Außenwelt seit einigen Jahren über analoge Medien wie Fernsehen und Radio. Beispielsweise lassen sich südkoreanische Fernsehsender in einigen Regionen des Landes empfangen, außerdem erfreuen sich Radiosender wie das North Korea Reform Radio aus Südkorea nachts im Zeitraum von 1-3 Uhr großer Beliebtheit. Zwar sind Fernseh- und Radiogeräte größtenteils auf den alleinigen Empfang des staatlichen Senders präpariert, jedoch gibt es Wege, diese zu umgehen.

Journalisten und Touristen: ja – Freizügigkeit: nein

Nordkorea öffnet sich seit einigen Jahren auch für Touristen und ausländische Journalisten, allerdings nur in der Region rund um die Hauptstadt Pjöngjang, unter ständiger Reisebegleitung und nicht zuletzt mit durchgeplanten Routen und der Einschränkung der Bewegungsfreiheit. So werden die Handys der Touristen beispielsweise vor der Einreise auf “westliche Propaganda” kontrolliert, außerdem fahren die Touristen in der U-Bahn in eigenen Wägen und können keinen Kontakt mit Einheimischen aufnehmen. Durch die strikten Regularien mit Fokus auf die positiven Seiten der nordkoreanischen Planwirtschaft und den gut ausgebauten Regionen rund um Pjöngjang können Journalisten zwar aus Nordkorea berichten – allerdings verlassen Sie das Land mit Bildern, die nicht “das wahre Gesicht” des Landes und damit vor allem seine armen Provinzen abseits der Hauptstadt zeigen. Die journalistische Recherche ist so unmöglich, in Nordkorea gibt es außerdem keine Informationsfreiheit.

Fazit: Die nordkoreanischen Medien werden zentral mit Informationen bespielt und haben allgemein einen sehr geringen Informationsgehalt sowie eine stark begrenzte Themendichte. Für das Regime sind sie aber aufgrund ihrer durchgehend positiven und sehr intensiven Berichterstattung und ihrer Funktion als Propagandamaschine von unschätzbarem Wert zum Erhalt des Militärstaates. Durch starke Restriktionen und technische Innovationen gelingt es, das Internet zu regulieren und den Empfang ausländischer Medien vorzubeugen. Dies ermöglicht es dem Regime, weiterhin die Informationshoheit zu besitzen und die absolute Kontrolle über die Bevölkerung auszuüben. Mit dem Zugriff auf das Internet und soziale Medien wäre die jetzige Staatsform vermutlich nicht lange tragbar – bis auf weiteres bleibt die Bevölkerung Nordkoreas aber Opfer der wohl größten Propagandamaschine der Welt.

Beitragsfoto: Ein Mann filmt etwas mit einer Videokamera, Laut unsplash.com Fotograf sei das Bild in der U-Bahn in Pjöngjang, der Hauptstadt Nordkoreas, entstanden.

Peer Schwiders

Ich bin seit meiner frühen Kindheit medienverrückt, moderierte im Alter von neun Jahren zum ersten Mal beim Radio und durfte im Laufe meiner Jugend dann europaweit für mehrere Medien die Proteste verschiedenster Umweltorganisationen begleiten und dokumentieren. Bei "Der Jungreporter" schreibe ich hauptsächlich über Debatten rund um (Bildungs-)Politik und Medienkritik, derzeit nehme ich außerdem am internationalen Projekt "Media & Me" teil und leite ein Online-Medium zur politischen Partizipation Jugendlicher.
In meiner Freizeit trifft man mich im Ruhrgebiet im Umfeld des FC Schalke 04 und beim Spazieren mit meinem Hund in der Natur.

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