#challengeaccepted – Was steckt hinter dem Trend?

In den vergangenen Wochen wurden die Instagram-Feeds vieler User mit schwarz-weißen Portraits geflutet. Zahlreiche Prominente posteten Bilder von sich und riefen zur gegenseitigen Unterstützung auf.
#ChallengeAccepted
#ChallengeAccepted – Grafik: Der Jungreporter

In den vergangenen Wochen wurden die Instagram-Feeds vieler User mit schwarz-weißen Portraits geflutet. Zahlreiche Prominente aber auch nicht bekannte Frauen posteten Bilder von sich und riefen zur gegenseitigen Unterstützung im Sinne der Gleichberechtigung auf. Doch dahinter steckt weit mehr als reine Selbstdarstellung und gemeinsames Starkmachen.

Sehr viele prominente Frauen haben es getan – ein schwarz-weißes Bild von sich selbst gepostet und für mehr Frauenpower geworben. Auf den ersten Blick scheint das eine gute Aktion zu sein, hübsche Bilder, verbunden mit einer guten Botschaft. Die Regeln der Challenge sind einfach. Frauen laden ein Foto von sich in schwarz-weiß auf Instagram hoch und nominieren andere Frauen, das Gleiche zu tun. Die Idee dahinter ist, dass Frauen sich dadurch gegenseitig bestärken und unterstützen. Oft werden deshalb auch noch Hashtags wie #womensupportingwomen verwendet, um diesem Ziel mehr Nachdruck zu verleihen.

Doch offenbar waren sich einige Frauen gar nicht bewusst, was sie da eigentlich teilten. So ergänzten manche von ihnen erst einige Zeit später, was es mit dem Hintergrund der Challenge auf sich hat. Der genaue Ursprung des #challengeaccepted ist unklar, es gibt jedoch verschiedene Theorien. Die aktuelle Welle der Posts soll nach einer Rede der US-amerikanischen Politikerin Alexandria Ocasio-Cortez begonnen haben, in der sie von sexistischen Beleidigungen erzählte, die sie durch den Republikaner Ted Yoho erfahren hatte.

Eine andere Theorie besagt, dass der neue Trend mit Ereignissen in der Türkei zu tun hat. Dort sind Frauen immer wieder brutaler Gewalt ausgesetzt. Laut der Organisation We Will Stop Femicide sollen allein im Jahr 2019 430 Frauen ermordet worden sein, man spricht dabei von so genannten Femiziden. Für besonderes Aufsehen sorgte kürzlich der Mord an der Studentin Pinar Gültekin, die von ihrem Ex-Freund verprügelt und erwürgt wurde. Daraufhin erhoben türkische Frauen in den sozialen Netzwerken ihre Stimmen und zeigten sich solidarisch mit den Opfern der Gewaltexzesse. Die schwarz-weißen Fotos sollten daran erinnern, dass auch ihr eigenes Bild mit einer Todesnachricht eines Tages in der Zeitung zu sehen sein könnte.

Auch wenn nicht klar ist, wie genau der aktuelle Trend entstanden ist, den Hashtag und das Posten von schwarz-weißen Bildern gibt es schon länger. Bereits 2016 posteten Menschen auf Instagram solche Fotos und lenkten damals so die Aufmerksamkeit auf Krebserkrankungen. Später wurde die Challenge dann verwendet, um Positivität zu teilen und beispielsweise Bilder ohne Menschen und stattdessen mit tollen Landschaften zu verbreiten. Dass dieser Hashtag bereits existierte, hilft der heutigen Form der Challenge umso mehr. Denn der Algorithmus war schon mit ihm vertraut und so erreichte die Kampagne in kurzer Zeit sehr viele Menschen. Bis dato wurden mehr als 6 Millionen Fotos mit dem Hashtag #ChallengeAccepted hochgeladen und noch mehr wurden ohne Angabe des Hashtags gepostet. Prominente Teilnehmerinnen waren unter anderem das Model Khloe Kardashian, die Schauspielerinnen Kerry Washington und Jennifer Garner, aber auch Deutsche Stars wie Model Sylvie Meis, die Journalistin Judith Rakers oder Schauspielerin Jasmin Tabatabai.

Doch es gibt auch viel Kritik an dem neuen Trend, nicht nur wegen seines Ursprungs, der beim Teilen der Fotos oft in Vergessenheit geriet. Einige Menschen kritisieren die schwache Aussagekraft der Bilder. Ähnlich wie beim #blackouttuesday vor einigen Monaten erwecken die schwarz-weißen Fotos den Eindruck, als ob die Frauen eine klare Stellung zum Thema Gleichberechtigung beziehen würden. In Wirklichkeit sagen sie aber kaum etwas, eine Form des Aktivismus, den viele Prominente gerne betreiben. So ein Bild ist schließlich schnell geteilt und weder Promi noch User müssen sich tiefgründige Gedanken zum Hintergrund oder Zweck der Challenge machen. Genauso schnell wie es geteilt wird, gerät es dann auch wieder in Vergessenheit und erwirkt kaum eine nachhaltige Veränderung oder Verbesserung. Ein weiterer Kritikpunkt besagt, dass die Kampagne nur ein Mittel zum Zweck sei, attraktive Fotos zu teilen.

Um den eigentlichen Sinn der Challenge beizubehalten, gibt es mittlerweile einige Verbesserungsvorschläge. Manche Frauen schlugen vor, dass anstatt der schwarz-weißen Bilder Fotos von Produkten geteilt werden sollten, deren Kauf Frauen zugutekommt. Andere wandelten die Kampagne ein wenig um und teilten keine Bilder von sich selbst, sondern von anderen Frauen, die sie in ihrem Leben inspiriert haben. 

Es bleibt also zu beobachten, in welche Richtung sich dieser Trend entwickelt. Dabei ist es vor allem auch wichtig, den Hintergrund der Challenge nicht zu vergessen und daran zu arbeiten, dass sie nicht nach kurzer Zeit in Vergessenheit gerät, sondern nachhaltig wirkt und Menschen auf der ganzen Welt zum Nachdenken über das wichtige Thema der Gleichberechtigung anregt.

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