Diversity matters – Die goldene Regel

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Immer zu Beginn eines neuen Monats gibt unsere Redakteurin Lisa-Marie in ihrer Kolumne “Diversity matters” Denkanstöße zu gesellschaftlichen Themen.

Diversity. Ich muss sagen, das Wort höre ich gar nicht mal so selten. Häufig läuft es mir zumindest schon einmal in Kombination mit dem Satz “Ja, das ist voll wichtig” über den Weg. Ich habe den Eindruck, Diversity ist ein beliebtes Schlagwort geworden. Zu oft ist das dann aber auch alles. Da es mir aber noch nie gereicht hat, sich über Wissenslücken aufzuregen, hoffe ich, mit einer Diversity-Kolumne meinen Teil dazu beitragen zu können, dieses Schlagwort wieder mit etwas mehr Inhalt zu füllen. Wenn ihr Bock habt, Monat für Monat gemeinsam mit mir verschiedene Facetten einer vielfältigen Gesellschaft kennenzulernen, dann seid ihr herzlich willkommen. Schön, dass ihr hier gelandet seid.

“Behandele andere so, wie du selbst behandelt werden möchtest” – schon mal gehört? Bestimmt. Wenn ihr das sogar umsetzt: Nice, das ist schon einmal ein Schritt in die richtige Richtung! Warum? Das zeigt, dass ihr auf jeden Fall versucht, nicht scheiße zu anderen zu sein. Das ist erstmal ‘ne ziemlich gute Sache. Warum es dennoch nur ein Schritt in die richtige Richtung ist, versuche ich in meiner ersten Kolume auf den Punkt zu bringen. Ich denke nämlich, dass da noch mehr geht.

Andere so zu behandeln, wie man es sich selbst wünscht, klingt erst einmal total logisch. Sich selbst kennt man einfach am besten. Aber warum reicht es denn nicht, so mit anderen umzugehen, wie man es selbst als gut einschätzt? Die Antwort liegt eigentlich auf der Hand: Wir Menschen sind nun einmal Menschen und zum Menschsein gehört dazu, dass wir irgendwie alle ganz schön unterschiedlich sind. Wir sind unterschiedlich aufgewachsen, haben unterschiedliche Erfahrungen gemacht, haben unterschiedliche Eigenschaften, die uns ausmachen, … – die Liste ist ewig. Wir sind alle unglaublich individuell. Wie soll es also sein können, dass so viele unterschiedliche Menschen, sich dasselbe wünschen?

Einfache Antwort: Es geht eben nicht so einfach. Menschen wünschen sich zwar alle, gut von anderen behandelt zu werden, aber dieses “gut” sieht für jede*n anders aus. So nachvollziehbar der Ansatz auch ist, andere so zu behandeln, wie man selbst es sich wünscht, so wenig zielführend ist er. Es hilft leider nicht, einfach von sich auf andere zu schließen.

Aber nur, weil es nicht so einfach ist, sollte man auf jeden Fall nicht aufgeben, denn eine Gesellschaft, die Diversity aktiv unterstützt, würde die uns nicht allen irgendwie was bringen? Das Factbook Diversity 2020 zeigt, dass Unternehmen, die sich für Diversity einsetzten, davon profitieren. Unterschiedliche Menschen haben unterschiedliche Sichtweisen und sind aufgrund dessen als Team kreativer und innovativer. Sie entwickeln Produkte für eine größere Zielgruppe, wenn sie zusammenarbeiten und ihre verschiedenen Perspektiven einbringen. Außerdem fühlen sich Mitarbeiter*innen in Unternehmen wohler, in denen eine offene und tolerante Stimmung herrscht. Diese Unternehmen haben dann natürlich auch gute Karten dabei, Fachkräfte zu finden und bei sich zu behalten. Diversity Management steigert demzufolge sogar wirtschaftliche Erfolge. Eine Win-Win-Situation also.

Und was sich in Unternehmen funktioniert, könnte das gesellschaftliche Miteinander und Zusammenleben allgemein verbessern. Menschen sind unterschiedlich. Ist so. Es ist also notwendig, sich damit auseinanderzusetzen und zu schauen, wie man das Beste daraus machen kann. Denn wenn das gelingt, profitieren wir alle. Und die Herangehensweise, mit der wir das erreichen können, ist zudem gar nicht mal so kompliziert. Trommelwirbel: Zuhören. Mit anderen reden und herausfinden, was sie sich wünschen, statt davon auszugehen, dass sie sich dasselbe wünschen wie man selbst. So einfach ist´s. Kommunikation ist ja bekannterweise der Schlüssel zum Erfolg. Genauso wie du weißt, was für dich am besten ist, wissen andere das auch für sich. Deshalb sollten wir einfach mal etwas mehr nachfragen. Und zuhören.

Ich denke, dass wir bereit für eine neue Goldene Regel sind: “Behandele andere so, wie sie behandelt werden möchten”.

Beitragsbild: unsplash.com / Levi Saunders

Lisa-Marie Fritsche

Ich bin 17 Jahre alt, frisch gebackene Abiturientin und engagiere mich bei der Jungen Presse Niedersachsen. Besonders am Herzen liegt mir Feminismus, ihr werdet hier aber meine Texte zu unterschiedlichen Themen finden. Journalismus ist für mich lebenslanges Lernen und meine absolute Leidenschaft.

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