Demonstranten mit Schild
Junge Demonstranten mit einem Schild Foto: unsplash.com / Jonathan Kemper

Politikbegeisterte Jugend – Hype oder nachhaltiges Interesse?

5 Minuten Lesezeit

Seit dem vergangenen Jahr werden die Stimmen der jungen Generation immer lauter. Sie gehen auf die Straßen und demonstrieren zu Tausenden, setzen sich für Themen wie Nachhaltigkeit oder Gerechtigkeit ein und fordern eine schnellere Umsetzung durch die Politiker. Interessiert sich die oft als „politikverdrossen“ bezeichnete Generation nun auf einmal mehr für Politik als noch vor einigen Jahren? Oder ist das nur ein kurzer Effekt, der auf lange Zeit wieder verschwindet?

Nicht selten müssen sich junge Menschen anhören, sie würden sich doch gar nicht für die Politik und das Weltgeschehen interessieren und „früher sei alles anders gewesen“. Doch ein Blick in diverse Jugendstudien zeigt, dass diese Aussage so nicht stimmt. Laut einer Statistik von Statista von Anfang 2020 is seit dem Jahr 2002 das politische Interesse gestiegen und erreichte 2015 sogar einen Höchstwert. Damals gaben 43 Prozent der befragten Jugendlichen an, politisch interessiert zu sein. 2019, im Jahr der vielen Proteste und Demonstrationen, waren es 41 Prozent. Bildungsforscher Klaus Hurrelmann, der zahlreiche Jugendstudien mitverfasste, erklärt sich diesen Trend mit einem aufkommenden Verantwortungsgefühl bei der jungen Generation. Sie fühlen sich für die Gemeinschaft und das Gemeinwesen verantwortlich. Vor mehr als zehn Jahren hätten sich Jugendliche unter dem Strich deutlich weniger dafür interessiert.

Trotz des zunehmenden politischen Interesses sei der Anteil der politisch aktiven Jugendlichen laut Hurrelmann deutlich geringer als der Anteil derer, die Interesse zeigen, betonen Forscher. Die junge Generation möchte mitgestalten, sich jedoch nur sehr selten zu einer Mitgliedschaft in einer Partei verpflichten. Trotzdem gibt es auch immer wieder junge Menschen, die sich für den Eintritt in einen Regionalverband einer Partei entscheiden. Die Motivation, Dinge selbst verändern zu können, vor allem auch im eigenen Umfeld, treibt sie an. Sie schätzen den politischen Austausch mit anderen Mitgliedern und sind überzeugt, dass ihre Stimme als Mitglied einer Partei eher gehört werde, als allein.

So profitieren nicht alle Parteien gleichermaßen vom gestiegenen Politikinteresse der Jugend. Mehrere große Jugendstudien wie die bekannten Shell-Studien zeigen, dass Jugendliche den etablierten Parteien, wie beispielsweise der SPD oder der Union, häufig nur wenig Vertrauen entgegenbringen. Viele nehmen lieber an Aktionen außerhalb einer Partei teil, beispielsweise an Online-Protesten oder Unterschriftensammlungen. Ein prominentes Beispiel hierfür sind die “Fridays for Future”-Demonstrationen, bei denen im vergangenen Jahr jeden Freitag Tausende junge Menschen in ganz Deutschland für das Klima auf die Straßen gingen.

Doch es gibt auch Kritik an dieser Form des politischen Aktivismus der jungen Generation. Denn immer wieder gibt es Gruppen, die ihre Ziele ohne Rücksicht auf Andere durchsetzen wollen. In einer funktionierenden Demokratie braucht es jedoch auch die Akzeptanz von verschiedenen Interessen und eine Bereitschaft, Andersdenkenden zuzuhören und sich auf einen Kompromiss einzulassen.

Das Deutsche Jugendinstitut warnt jedoch: Weniger privilegierten jungen Menschen mit geringerer sozialer Stabilität fehlt häufig ausreichend politische Bildung. Bei ihnen besteht ein Risiko, dass sie aufgrund ihres geringeren politischen Wissens weniger Möglichkeiten haben, sich politisch zu engagieren und ihre Interessen zu äußern. Das macht deutlich, dass bei allen jungen Menschen möglichst früh politisches Interesse geweckt werden sollte. Sowohl in den Familien als auch in den Schulen müssen Kinder rechtzeitig lernen was es bedeutet, sein Mitspracherecht zu nutzen und sich aktiv am Leben in der Gesellschaft zu beteiligen.

Das Interesse junger Menschen an Politik hat in den vergangenen Jahren also durchaus zugenommen. Verstärkt wird solch ein zunehmendes Interesse durch besondere Ereignisse wie beispielsweise der Beginn der “Fridays For Future”-Demonstrationen. Ob dieses Politikinteresse jedoch nachhaltig anhält und auch die kommenden Generationen beschäftigt und zum Handeln motiviert, bleibt abzuwarten. Da kommt es auf die Entwicklung der politischen Landschaft in Deutschland und auf künftige Ereignisse an.

Janine Rinke

Journalismus ist meine große Leidenschaft und ein wichtiger Teil von mir. Ich bin 17 Jahre alt, gehe in die 12. Klasse eines Gymnasiums und komme aus einem kleinen Dorf im Herzen Hessens. Seit Juli 2020 bin ich dabei. Meine Interessen liegen vor allem bei aktueller Politik, Umweltthemen und Gleichberechtigung in jeglicher Form. Ich freue mich sehr, hier mitarbeiten zu dürfen und hoffentlich vielen Menschen zu zeigen, wie spannend diese Themen sein können!

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