„Mit qualmendem Kopf durch die Abitür“ – Ein Kommentar

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Viele saarländische Schülerinnen und Schüler befinden sich zurzeit in der Endphase ihrer Schullaufbahn: Die Vorbereitungszeit des Abiturs. Aber reichen 3 Wochen schulfreie Lernphase tatsächlich für eine intensive Auseinandersetzung mit 5 Prüfungsthemen jeweils mit Stoff aus 2 Jahren?

Als Abiturient muss man sich wohl jede Unterrichtsstunde die gleichen Phrasen anhören: „Konzentriert euch, bald wird’s ernst“, „Fangt rechtzeitig an fürs Abitur zu lernen“, „Wir müssen uns beeilen, sonst kommen wir mit dem Stoff nicht durch“ und, und, und.

Diese Aussagen fördern aber aus Erfahrungswert nicht die Motivation oder die Lernbereitschaft, sondern sorgen für einen erhöhten Leistungsdruck der Schüler. Besonders überfordernd kann dies sein, wenn neben dem Abitur noch wichtige Schritte der beruflichen Zukunft geplant und umgesetzt werden müssen.

Die Utopie, bereits in den Weihnachtsferien mit den Abi-Vorbereitungen anzufangen, ist ein kaum vorzufindender Luxus. Zu diesem Augenblick bereiten sich die Schüler noch auf die Klassenarbeiten direkt im Anschluss der Ferien vor. Diese Prozedur wiederholt sich meist bis zur Zeugnisausgabe des letzten Halbjahres.

Ein weiterer mit Druck verbundener Faktor ergibt sich durch die zeit- und energieraubenden Anforderungen vieler Studiengänge. Der besonders im dualen und medizinischen Bereich vorhandene Erwartungswert sprengt sogar die laute, drängende Stimme des Lehrers im Kopf: Man soll Bewerbungen, Vorstellungsgespräche, erfolgreiche zukunftsorientierte Projekte und praktische Berufserfahrung gleichzeitig vorweisen können, während man am besten noch einen Abitur-Notendurchschnitt ab 1,9 oder darunter absolviert. Natürlich mit mindestens 10-12 Notenpunkten in allen Hauptfächern.

Weitere Kritik lässt sich auch an den vielen Fehlzeiten einiger Lehrkräfte äußern. Diese verursachen einen Stau an noch ausstehendem Lernstoff, mit dem sich der Schüler gewohnheitsmäßig im Unterricht mit der Lehrkraft beschäftigen möchte, um Fragen stellen zu können, Sachverhalte zu kommentieren und konstruktive Rückmeldung zu erhalten. Bleibt dies bei Themengebieten am Ende des letzten Halbjahres aus und man ist gezwungen, sich mit dem letzten Themenblock zum ersten Mal eigenständig ohne jeglichen Leitfaden des Lehrers auseinanderzusetzen, stößt man gelegentlich an seine Grenzen. Besonders wenn man in den kurzen 3 Wochen sich selbst neuen Stoff beibringen soll, anstatt die geplante Wiederholung aller Fachbereiche durchzuarbeiten.

Wie man sieht, gelingen diese Anforderungen nicht jedem fleißigen Durchschnittsschüler. Daher wird es Zeit, dass sich nicht nur die Dauer der Vorbereitungsphase wieder ausweitet, sondern auch andere Leistungsbereiche reformiert werden. Beispielsweise würden von Lehrern durchgeführte Vorbereitungsstunden für Einstellungstests oder Vorstellungsgespräche einige Abiturienten auf ihrem Weg weiterbringen. Vor allem das Ermöglichen von Zeit, sich neben dem Abitur erlauben zu können, für die anstehende berufliche Zukunft Energie zu investieren, könnte einen massiven Druckanteil aus dem Alltag der Schüler nehmen.

Ann-Sophie Conrad

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