E-Roller: Fluch und Segen

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Lime, Bird und Tier. Das sind die Namen etlicher Hersteller von den neuen E-Tretrollern. Klassische Tretroller, die man mit einem Elektromotor ausgestattet hat. Sie erobern momentan die ganze Welt – angefangen in den USA vor zwei Jahren, jetzt kommen sie nach Europa und Deutschland. Welche Vision steckt dahinter? Und welche Risiken können sich hinter dem Hype verstecken? Der Jungreporter klärt für euch diese Fragen – und hat die E-Tretroller auch schon ausprobiert.

Die Idee der elektrifizierten Tretroller kam vor zwei Jahren das erste Mal mit der Gründung des kalifornischen Unternehmens Lime. Die Gründer Toby Sun und Brad Bao waren ab Januar 2017 unter den Ersten, die dieses Geschäft massentauglich machten. Der ebenfalls US-Amerikanische Hersteller Bird sollte im April 2017 folgen. Die E-Roller wurden anfangs in den USA, jetzt auch vermehrt in Europa sehr schnell beliebt. Gerade an der amerikanischen Ostküste waren die Fahrzeuge ein voller Erfolg. Mit dem einfachen Verleihen per App blühte das Geschäft, und dabei auch noch umweltfreundlich unterwegs sein – die Menschen waren und sind begeistert. In Zeiten des Klimawandels gibt es die Vision einer neuen Elektromobilität, die laut einigen Meinungen die einzig mögliche Zukunft ist, da tut sich so ein Geschäftsmodell sehr gut.App-Oberfläche von Lime

Die E-Roller haben eine sehr intuitive Bedienung – sie funktionieren per App. Auf einer Karte wird man in unterstützen Städten zum nächsten E-Roller des jeweiligen Herstellers geführt. Man gibt in der App seine Kreditkartendaten ein – schon kann man den Roller aktivieren und losfahren. Die Preise unterscheiden sich, abgerechnet wird in der Regel per gefahrenen Minuten. Bei Lime kostet eine Minute 15 Cent, zur Aktivierung benötigt es einen Euro. Eine Stunde fahren kostet also ungefähr 10 Euro. Die Roller sind verteilt in der Stadt zu finden, nach der Fahrt stellt man sie einfach wieder irgendwo ab. Das Fahrtgefühl ist sehr gut, man hat wirklich Spaß am Fahren und könnte stundenlang problemlos durch die Stadt flitzen. An einem Schalter gibt man Gas, nachdem man etwas Schwung hat geht das auch ganz gut voran. In vielen Städten wie Paris, London oder Wien sind sie sehr im Stadtbild vertreten.

Doch an vielen Orten und gerade in Paris wird die Lage übertrieben: An jeder Straßenecke, an jeder Kreuzung und in jedem Park stehen die E-Roller von verschiedenen Marken rum. Die E-Roller selbst werden vor allem durch Touristen angemietet – diese fahren dann oft auch auf den Bürgersteigen oder am Fluss. Es kommt oft zu unübersichtlichen Situationen und gefährlichen Überholmanövern. Das liegt unter anderem daran, dass viele Staaten noch nicht den Umgang mit den E-Scootern gesetzlich geregelt haben – gerade, weil es ein sehr neues Phänomen ist. Die Städte regeln oft die Probleme auf kommunaler Basis – in New York wurden die E-Scooter komplett verboten.

In Paris konnte ich noch vor wenigen Wochen mit bis zu 30 km/h fahren, die Tretroller wurden überall wild umhergeparkt. Die Lage war so schlimm, dass die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo nun Konsequenzen daraus gezogen hat. Nicht nur wird die Geschwindigkeit jetzt auf 20 km/h beziehungsweise 8 km/h in Fußgängerzonen beschränkt, auch wird das Parken auf den Gehwegen sowie das Fahren zu zweit verboten werden. Damit wird versucht, die gefährlichen Situationen und die verstopften Gehwege zu beseitigen.

Deutschland hat im Vorhinein gesagt, dass vor einer allgemeinen Zulassung der Elektro-Tretroller klare Regeln aufgestellt werden müssen. Das hiesige Verkehrsministerium hat sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, doch jetzt sind klare Regeln vorhanden. Die E-Scooter dürfen nur auf Straßen und Radwegen genutzt werden, die Bürgersteige sind klar verboten. Außerdem ist die Geschwindigkeit auf 20 km/h begrenzt, man muss mindestens 14 Jahre alt sein und haftpflichtversichert sein. Einschränkungen, die in erster Linie nervig erscheinen, sind meiner Meinung nach sehr notwendig.

Seit vergangenem Samstag sind E-Scooter nun in Deutschland offiziell erlaubt. Hersteller können sich nun ihre Produkte beim Kraftfahrtbundesamt genehmigen lassen, danach soll von verschiedenen Anbietern in den großen deutschen Städten die erste große Welle an E-Rollern kommen. In den nächsten Wochen möchte zum Beispiel auch das Berliner Startup Tier in der Stadt aufrüsten. Erlaubt sind in den deutschen Städten nur vier geparkte Tretroller auf einmal – hoffentlich Regeln, die die Idee der Tretroller zu einer geregelten und langfristigen Vision machen können.

Hallo, ich bin Francesco. Falls du Fragen zu einem Artikel oder zu Der Jungreporter hast oder du mitmachen möchtest, kannst du mich gerne kontaktieren!

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