Innovation mit Bruchlandung – Boeing 737 Max 8

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Fliegen ist heute so billig wie nie zuvor. Immer neue Airlines sprießen aus dem Boden mit einem Ziel: möglichst viele Leute, möglichst billig durch die Welt zu befördern und dabei die Eigenkosten so gering wie möglich zu halten. Dazu benötigen vor allem “Low Cost” Linien besonders sparsame und effiziente Flugzeuge, die im Kurz- und Mittelstreckennetz möglichst günstig operieren können. Die Boeing 737 Max 8 der Ethiopian Airlines stürzte im März 2019 ab, es gab 157 Todesopfer. Schon vergangenen Oktober stürzte in Indonesien eine Lions Air-Maschine vom selben Typ ab, hier gab es 189 Tote. Die Gründe für die Abstürze haben wir deshalb für euch analysiert.

Flugzeughersteller wollen hier durch Produktion von Flugzeugen, die diesen Ansprüchen immer mehr genehm werden, lukrative Geschäfte abschließen. So wollte Boeing einen rentableren Flieger für low cost airlines produzieren, analog zum Dreamliner der Langstrecken-Linien. Die komplette Neuentwicklung eines Flugzeuges ist jedoch unsäglich kostspielig und liegt schätzungsweise im zweistelligen Milliardenbereich, was sich als nicht lukrativ erweisen könnte. Das Problem wollte Boeing so lösen, indem sie einfach ein bereits vorhandenes Flugzeugmodell so umbauen, dass es den Erwartungen der “Low Cost”-Airlines entspricht, sprich: höhere Kapazität an Passagieren, effiziente Treibstoffbilanz, also möglichst viel Leistung und Reichweite, bei möglichst geringem Gewicht und Treibstoffverbrauch.

Ein Beispiel dafür ist der neue 787 Carbonflieger welcher seit recht kurzer Zeit im Langstreckennetz betrieben wird und sich durch seinen sehr geringen Verbrauch und seine enorme Reichweite als sehr lukrativ für Airlines, sowie für Boeing als Produzent etabliert hat. Doch zudem steht Boeing unter stetigem Druck, auf innovativer Ebene mit dem Konkurrenten Airbus Schritt zu halten, welcher erst kürzlich den neuen A320 neo auf den Markt brachte.

Nun will Boeing mit einem erneuerten Mittelstreckenmodell an den Erfolg der 787 anknüpfen. Zu diesem Zweck wurde der Mittelstreckenflieger des Typs 737 zur 737 Max modifiziert. Um die Umbauten am Rumpf des Flugzeuges aerodynamisch auszubalancieren sowie um größere und effizientere Triebwerke anbringen zu können, mussten ebenfalls die Flügel rekonzipiert werden. Zu diesem Zweck wurden die neuen Triebwerke des Flugzeuges weiter vorne, sowie weiter oben am Flügel montiert. Zur Info, Flugzeuge fliegen dadurch, dass die beschleunigte Luft, die oben über den Flügel läuft, einen Sog erzeugt und das Flugzeug anhebt.

Aufgrund der veränderten Position der Triebwerke, ist der Luftstrom, über die Flügel und verändert somit die Wirkung des erzeugten sogs so, dass das Flugzeug dazu neigt, die Nase zu Heben. Vor allem beim Start ist das ein Problem. Hier wird die Nase des Flugzeuges mit Absicht angehoben, um mehr Luft unter die Flügel zu drücken, was das Flugzeug nach oben beschleunigt. Durch die bereits vorhandene Tendenz der 737 Max, nach oben zu rotieren, ist die Gefahr vorhanden, das Flugzeug zu steil steigen zu lassen, was dann zu einem Strömungsabriss, also nicht mehr Vorhandensein des Auftriebs führen kann.

Um diese Tendenz zu korrigieren, wurde nun ein System in das Flugzeug integriert, welches ein übersteuern des Flugzeuges frühzeitig erkennt und die Nase selbstständig wieder senkt, um einem Strömungsabriss vorzubeugen. Bei den abgestürzten Flugzeugen waren nach Informationen der geborgenen Flugschreiber, Messungen dieses Systems fehlerhaft, was dazu passt, dass die Piloten bereits beim Start Probleme im Flugablauf meldeten. Das System erkannte eine Übersteuerung des Flugzeuges, welche eigentlich nicht vorhanden war und senkte dessen Nase, sodass die Maschine in einen steilen Sturzflug überging.

Die Piloten versuchten das Flugzeug Manuell wieder in die normale Fluglage zu bringen, jedoch übernahm das System aufgrund der “Fly-by-Wire”-Steuerung immer wieder die Kontrolle über die Maschine, was schließlich dazu führte, dass die Flugzeuge unkontrolliert sanken und schließlich auf den Boden aufschlugen. Auch wurde aufgezeigt, dass die Piloten sich der Existenz des Systems nicht bewusst waren und somit nicht einmal wussten warum das Flugzeug abnormal reagierte. Da zu viel Vertrauen in das System seitens der Hersteller bestand, wurden Piloten bei einigen Airlines nicht darauf geschult, das System in die Steuerung miteinzubeziehen, oder es notfalls abzuschalten, was schließlich im Crash endete.

Viele große Fluglinien stornierten daraufhin Bestellungen des Flugzeugtyps, oder stellten deren Betrieb vorerst ein. Das System wird nun neu konfiguriert, weiter an den Flugzeugtyp angepasst und Piloten auf dessen Benutzung geschult. Die Geschichte hat gezeigt, wie auch in einem internationalen Konzern sehr große Pannen passieren können, die sehr starke Auswirkungen haben können.

Hey, ich bin Valentin. Als Luftfahrt-Enthusiast verbinde ich gerne Aviation und Journalismus, bei Jungreporter werdet ihr von mir in Zukunft einige Beiträge zu diesem Thema finden, seid gespannt!

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