Diesjähriges Mathe-Abi: Interview mit Philipp Martini

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Über das diesjährige Mathe-Abitur gibt es zahlreiche Beschwerden, deshalb wurde eine Online-Petition gestartet. Am vergangenen Freitag haben wir bereits auf Instagram darüber berichtet, zu der Zeit wurden gerade einmal 740 Unterschriften gesammelt, mittlerweile sind es über 4.500 Unterschriften. Ich konnte heute Philipp Martini, der die Petition ins Leben gerufen hat, zu einem Interview treffen.

Der Jungreporter: Kannst du dich bitte kurz vorstellen?

Philipp: Mein Name ist Philipp Martini, ich bin 18 Jahre alt und gehe auf das WWG-SK Saarbrücken. Dort bin ich derzeit in der 12. Klassenstufe. Ich habe die Petition ins Leben gerufen, weil meine Stufe sehr unzufrieden war mit dem Mathe-Abitur, und ich sah es als meinen Job als Schülersprecher, für sie gerade zu stehen oder sich für sie einzusetzen.

Der Jungreporter: Ulrich Commerçon hat sich gestern dazu geäußert und angekündigt, die Beschwerden der Schülerinnen und Schüler zu überprüfen. Was meinst du dazu?

Philipp: Ich weiß nicht, was da passieren wird bzw. ob da überhaupt was passieren wird. Die Korrekturenkonferenz wird morgen tagen und am Donnerstag werden sie dazu Rückmeldung geben. Ich bin sehr gespannt, dann sehen wir weiter. Wenn sie was gemacht haben, schauen wir, ob es in unserem Interesse ist und ob es reicht.

Der Jungreporter: Das Saarland ist nicht das einzige Bundesland, in dem Online-Petitionen gestartet wurden. Hier im Saarland hat deine Petition bereits über 4.500 Anhänger. Was forderst du bzw. die Schulen, die sich deiner Petition angeschlossen haben?

Philipp: Es haben sich 33 Schulen angeschlossen. Die Schulen bzw. die Schüler fordern ein faires Abitur bzw. dass es anders gewertet wird. Ich schließe natürlich nicht die Wiederholung einer Klausur aus, aber das ist sehr unwahrscheinlich, da müssen schon grobe Formfehler o.Ä. vorliegen.

Der Jungreporter: Eine Schülerin, die uns ihre Meinung geschildert hat, meinte, dass die Lehrer beim Durchlesen der Aufgabenstellung ihr Gesicht verzogen haben. Was war konkret das Problem bei dir bzw. hattest du Schwierigkeiten?

Philipp: Ja! Ich bin selber E-Kursler und muss sagen, ich habe nicht schlecht gestaunt, als ich den ersten Analysis-Teil gelesen habe. Ich wusste gar nicht, wo ich anfangen soll, deshalb habe ich erstmal Aufgabe 2 gemacht. Die beiden anderen Teile (Wahrscheinlichkeit, Vektoren) waren in Ordnung, wie ein normales Abitur. Beim Analysis-Teil hat man gemerkt, das ist keine Saarland-Aufgabe wie die letzten Jahre und auf einem höheren Niveau, was uns nicht entspricht.

Der Jungreporter: Ulrich Commerçon hat die Schüler darauf aufmerksam gemacht, dass sie sich auf die kommenden Prüfungen konzentrieren und dem Bildungsministerium vertrauen sollen, eine angemessene Lösung zu finden. Was sagst du zu diesem Statement?

Philipp: Wenn auch wirklich was passiert, ist das okay. Wenn nichts passiert, müsste er aktiver für uns einstehen und eben auch selbst Position beziehen.

Der Jungreporter: Wir haben einen Oberstufenmathematik-Lehrer angefragt, der unerkannt bleiben möchte. Er teilt die Meinung der Schüler, macht es aber nicht öffentlich. Die Pressestelle des Ministerium für Bildung und Kultur teilte am Montag mit: “Von saarländischen Lehrkräften haben uns bis dato keinerlei Vorwürfe zum diesjährigen Mathematik-Abitur erreicht.” Was sagst du zu der allgemeinen Zurückhaltung der Mathematik-Lehrer?

Philipp: Ich denke, was du schon angesprochen hast, ist ein allgemeines Problem. Ich kann es gut verstehen, wenn sich Lehrer nicht dazu äußern möchten, weil sie sonst Ärger bekämen. Man muss sagen, es haben sich schon Lehrer angeschlossen. Zudem stehen die Landeselternvertreter hinter uns, auch wenn sie nicht aus erster Perspektive berichten können. Man kann also nicht sagen, dass keine Lehrer oder Erwachsene hinter uns stehen.

Der Jungreporter: Abschließend noch eine letzte Frage: Hast du bereits mit deinem Mathematik-Lehrer darüber gesprochen?

Philipp: Nein, noch nicht. Das werde ich aber nach der morgigen Prüfung machen.

Der Jungreporter: Danke für das Interview und viel Glück für deine weiteren Abi-Prüfungen!


War das saarländische Mathe-Abitur wirklich zu schwer? Die Meinungen einer betroffenen Schülerin und eines Oberstufenmathematik-Lehrers findest du in unserer Instagram-Story quick.reports.

Fabius Leibrock

Hey, ich bin Fabius. Seit etwa fünf Jahren bin ich journalistisch aktiv, angefangen bei einem Webradio folgte die Mitarbeit bei vier verschiedenen Schüler- und Jugendzeitungen. Neben meinem derzeitigen Abiturstress engagiere ich mich bei der Jugendpresse Rheinland-Pfalz.

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