Mann zuhause am arbeiten
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Coronavirus als Türöffner für eine neue Arbeitskultur? – Die Vor- und Nachteile des Rechts auf Home-Office

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7 Minuten Lesezeit

Das Coronavirus stellt uns alle vor große Herausforderungen, doch in jeder Krise liegt bekanntlich auch eine Chance. Eine dieser Chancen liegt in der Arbeitswelt. Während in anderen Ländern das Home-Office immer stärker auf dem Vormarsch ist, war es in Deutschland bisher eher die Ausnahme als die Regel. Durch Covid 19 wurden viele Betriebe nun mehr oder weniger dazu gezwungen ihren Mitarbeitern das Arbeiten von zuhause aus zu ermöglichen. Prompt schlug Arbeitsminister Hubertus Heil vor, ein Recht auf Home-Office künftig gesetzlich zu verankern. 
Grund genug, sich mit den Argumenten für und gegen ein Recht auf Home-Office zu befassen.

Bevor wir näher auf die Argumente eingehen, haben wir uns den Vorschlag des Arbeitsministers jedoch erstmal näher angesehen. In einem Interview kündigte Heil an, im Herbst ein Gesetz verabschieden zu wollen, das allen Arbeitnehmern, auch nach Corona, das Recht auf eine Arbeit im Home-Office ermöglicht. Jeder soll dabei die Möglichkeit haben, entweder komplett oder zumindest an ein bis zwei Tagen von zuhause zu arbeiten. Dabei soll es jedoch klare Regelungen geben, die der Arbeitsminister zeitnah vorlegen will. Unter anderem soll beispielsweise darauf geachtet werden, dass jeder Arbeitnehmer zum Schutz seiner Gesundheit einen geeigneten Schreibtischstuhl hat. Zudem soll verhindert werden, dass Arbeitnehmer durch schlechte Arbeitszeiten ausgebeutet werden. 

Dauerhafte Erreichbarkeit

Genau diese Regelungen führen aber schnell zum ersten Argument gegen eine dauerhafte Arbeit im Home-Office. Denn Arbeit von zuhause aus führt zwangsläufig zu einer höheren Erreichbarkeit der Arbeitnehmer. Während man nach Feierabend den Rechner auf der Arbeit ausschalten und die freie Zeit genießen kann, kann es im Home-Office schnell passieren, dass der Kunde oder Chef kurz nach Feierabend anruft und den Auftrag noch heute verwirklichen will. Es wird sehr schwer sein, die Einhaltung der Arbeitszeiten genau zu überprüfen und einen Missbrauch sowohl vom Arbeitnehmer als auch vom Arbeitgeber zu verhindern. Zwar gilt es abzuwarten was der Arbeitsminister genau vorschlägt, aber auch vorherige Gesetze zeigen, dass Gesetze nicht unbedingt davor schützen umgangen zu werden.

Arbeits- und Privatleben verschwimmen

Eine weitere Gefahr ist, dass Arbeits- und Privatleben in der Heimarbeit zu stark zusammenwachsen. Schnell kann es passieren, dass man sich in einer ruhigen Minute mal auf die Couch legt oder sich dazu verpflichtet fühlt sich im Haushalt zu betätigen. Früher oder später kann sich das negativ auf die Arbeitsmoral auswirken und zu Problemen führen.

Fehlende soziale Kontakte

Das wichtigste Argument gegen das Home-Office sind jedoch die fehlenden sozialen Kontakte. Denn jeder Arbeitsplatz ist ein Ort, an dem soziale Kontakte gepflegt werden und häufig verbringen wir in der Summe mehr Zeit mit unseren Arbeitskollegen als mit Freunden und Familie. Gleichzeitig lernt man am Arbeitsplatz, durch Kollegen mit anderen Meinungen, seinen Horizont zu erweitern und entwickelt sich beruflich weiter. All das bleibt bei der Arbeit von zuhause aus weitgehend auf der Strecke.

Flexibilität – speziell für Familien

Das erste, starke Argument für die Arbeit im Home-Office ist die höhere Flexibilität. Gerade für Familien mit Kindern bietet es enorme Vorteile, sich Zeiten flexibler einteilen zu können. Das Kind in die Kita bringen, in der Mittagszeit für die Kinder kochen, all das wird durch das Arbeiten von zuhause einfacher. Besonders wenn beide Eltern berufstätig sind, ist das ein enormer Vorteil. Positiver Beigeschmack: Die Gerechtigkeit unter den Geschlechtern wird gestärkt. Durch abwechselnde Arbeit im Home-Office, bleibt die Betreuung der Kinder nicht primär an einer Person hängen, sondern beide Elternteile haben die gleiche Verantwortung. Viele Frauen, die bisher die Kinder betreut haben, könnten dadurch in den Arbeitsmarkt kommen.

Mehr Zeit für Freizeitaktivitäten

Ein weiterer Vorteil ist der Faktor Freizeit. Zeiten lassen sich besser einteilen, der oftmals lange Weg auf die Arbeit fällt weg und Arbeit und Freizeitgestaltung lassen sich besser verknüpfen. Morgens vor der Arbeit eine kurze Runde joggen, mittags eine Runde Fahrrad fahren oder nach Feierabend im Garten arbeiten. Aktivitäten die durch die Arbeit im Home-Office einfacher zu bewältigen sind. Das führt zwangsläufig zu einer höheren Zufriedenheit unter den Arbeitnehmern und nutzt dadurch nicht nur deren Wohlbefinden, sondern wirkt sich auch positiv auf die Produktivität der Arbeitnehmer aus. Außerdem könnten Arbeitnehmer die Zeit auch dafür nutzen sich weiterzubilden. Eine Win-Win Situation für alle Parteien. 

Positive Auswirkungen auf Umwelt und Wohnungspreise

Auch wenn kurzfristig die Auswirkungen des Coronavirus unsere größten Probleme sind, ist die Klimakrise weiterhin das größte Problem der Menschheit. Die Arbeit im Home-Office könnte uns dabei helfen, diese besser zu meistern. Durch eine Vielzahl der Bevölkerung in Heimarbeit würde das Verkehrsaufkommen auf Deutschlands Straßen rapide sinken und sich der CO2 Ausstoß massiv verringern, was bereits während des Lockdowns deutlich wurde.

Auch soziale Probleme würden sich womöglich verringern.  So würden beispielsweise viele Unternehmen weniger Platz für Büroräume benötigen und die Immobilien Preise dadurch langfristig sinken. Gerade in Großstädten, wo Wohnraum zu Luxusgut geworden ist, könnte sich die Lage daher enorm entspannen.

Als sinnvolle Lösung, die Vorteile der Heimarbeit zu nutzen und gleichzeitig die Nachteile abzufedern könnte sich ein Kompromiss auf lediglich einige Tage pro Woche im Home-Office erweisen, wie es der Arbeitsminister bereits andeutete. Dadurch würden alle Vorteile, wie flexiblere Arbeitszeiten, mehr Zeit für Familie und Schonung der Umwelt genutzt, gleichzeitig blieben aber negative Aspekte wie fehlende soziale Kontakte aus. Eins scheint aber schon jetzt klar: Das Coronavirus hat unsere Arbeitskultur dauerhaft verändert.

Maximilian Kuntz

Ich heiße Maximilian Kuntz, bin 20 Jahre alt und absolviere eine Ausbildung zum Kaufmann für Marketingkommunikation bei der Saarbrücker Zeitung. In meiner Freizeit gehe ich regelmäßig ins Fitnessstudio und verbringe gerne Zeit mit Freunden, meiner Familie und unserem Familienhund. Darüber hinaus vertrete ich im Stadtrat meiner Heimatstadt Blieskastel die Interessen der jungen Generation. Nach meinem Engagement beim Jugendmagazin Chilly habe ich mich diesem Projekt angeschlossen. Fairer und informativer Journalismus ist gerade in Zeiten von Fake News und großen politischen Diskussionen ein ganz wichtiges Gut und ich freue mich meinen Teil dazu beitragen zu können. Meine Schwerpunkte liegen in den Themenfeldern Politik, Wirtschaft und Musik.

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