Wie Jugendliche besonders an der Corona-Pandemie leiden

Durch die Corona-Pandemie hat sich vieles für Jugendliche schlagartig verändert. Den normalen Alltag gibt es so nicht mehr. Das macht sich mit psychischen Folgen bei den Jugendlichen bemerkbar.

Durch die Corona-Pandemie hat sich vieles für Jugendliche schlagartig verändert. Unterricht nur noch per Videokonferenz, kein Sport mehr im Verein und fehlende soziale Kontakte. Den normalen Alltag gibt es so nicht mehr. Das macht sich mit psychischen Folgen bei den Jugendlichen bemerkbar.

Kinder und Jugendliche, die mit mehreren Geschwistern auf engstem Raum leben und ohnehin sozial benachteiligt sind, trifft es besonders schwer. Genauso wie Diana. (Name von der Redaktion geändert, möchte anonym bleiben) Sie ist 19 Jahre alt und hat drei Geschwister, lebt mit Vater und Mutter auf ca. 80qm. Dass sie die älteste ist und somit die Verantwortung trägt, ist ihr bewusst. Während des Lockdowns musste sie sich hauptsächlich um den Haushalt kümmern. Ihre Eltern arbeiten tagsüber. Das heißt für Diana, dass sie jeden Tag früh aufstehen muss, um ihren Geschwistern und sich Frühstuck zu machen. Da sie selbst im Hybridunterricht ist, muss auch sie am digitalen Unterricht teilnehmen. Ohne Computer ist das aber nicht so einfach. Diana ist nämlich eine von vielen Kindern, die keinen Zugriff auf einen Computer hat. Daher wurde ihr von der Schule ein Notebook zur Verfügung gestellt. Sie ist dafür sehr dankbar.

Diana ist kein Einzelfall und nur ein Beispiel für viele jungen Menschen, denen es ähnlich ergeht. Sie müssen sich für die Schule anstrengen und lernen, Aufgaben der Eltern übernehmen und im Haushalt mithelfen. Dabei bleibt nicht selten kaum noch Zeit für sich selbst. Der soziale Austausch ist durch den Lockdown so schwer wie noch nie. Man sieht kaum noch Freunde und kann sich sonst kaum mit jemandem treffen. Das meiste findet virtuell statt. Selbstverständlich probieren die meisten, dass beste aus der Situation zu machen. Nichtsdestotrotz wird dies an der immer weiter ansteigenden psychischen Belastung der gesamten Bevölkerung nichts ändern.

Belastungsempfinden der Kinder und Jugendliche beim Lernen

Beim Lernen sind besonders Kinder und Jugendliche belastet, deren Eltern einen niedrigen Bildungsstand haben, während es in Familien mit hohem Bildungsstand zu weniger Belastungsempfinden gekommen ist. Im Hybridunterricht konnten Schüler*innen aus Akademiker-Haushalten häufig auf das Wissen der Eltern zurückgreifen, während Schüler*innen aus Nicht-Akademiker-Haushalten dies nicht konnten, sondern vielmehr auf das Wissen ihrer Lehrkräfte angewiesen sind. Eine wichtige Informationsquelle ist somit weggefallen. Denn die Kommunikation zwischen Schüler*in und Lehrkraft über den Bildschirm ist eine andere, als dass einem persönlich im Klassenzimmer schnell und flexibel geholfen werden kann. Die ohnehin nicht bestehende Chancengleichheit und Ungerechtigkeit bei der Bildung werden durch die Corona-Pandemie somit nicht besser. Sie nehmen eine ganz neue prekäre Form an. Die Schüler*innen wurden sehr früh in die Eigenverantwortung geschickt und müssen sich vielen Unterrichtsstoff selbst beibringen. Anforderungen, mit denen sie vorher überhaupt nicht konfrontiert gewesen sind. 

Auch Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund sind mit der Bewältigung der schulischen Aufgaben überfordert. Da ihre Eltern oftmals eine andere Sprache sprechen, fällt die Möglichkeit, auf das Wissen ihrer Eltern zurückzugreifen, weg. 38,4% der Eltern mit Migrationshintergrund geben demnach an, dass das Lernen für ihre Kinder viel anstrengender geworden sei. Zu diesem Ergebnis kam die COPSY Hamburg-Studie.

Psychische Folgen

Kinder und Jugendliche leiden zunehmend an psychischen Belastungen während der Corona-Pandemie. 71% haben demnach mit psychischen Auffälligkeiten zu kämpfen. Das ergab eine Befragung der COPSY Hamburg-Studie. Die fehlende Alltagsstruktur und der fehlende soziale Kontakt zu Mitmenschen ist unter anderem eine Ursache für die dramatischen Folgen. Jugendliche geben an, unter vermehrtem Stress sowie unter Ängsten wie Schul- und Zukunftsangst zu leiden. Oft isolieren sich die Betroffenen und leiden unter sozialem Rückzug oder Interessensverlust. Auf die Möglichkeit einer Psychotherapie wird immer häufiger zurückgegriffen. Doch einen Therapieplatz zu erhalten, ist schwieriger geworden. Denn die Nachfrage nach Psychotherapie hat während der Corona-Pandemie stark zugenommen. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sind die Patientenanfragen in Praxen laut einer Umfrage der Deutschen Psychotherapeuten-Vereinigung um durchschnittlich 40 Prozent angestiegen. Die Wartezeiten können im Härtefall bis zu mehreren Monaten dauern. Hilfe, die für einige meist viel zu spät ist.

Ähnliche Zahlen zeigt auch der kürzlich erschienene UNICEF-Bericht zur Lage der Kinder in Deutschland 2021 auf. Demnach leiden junge Menschen unter anderem vermehrt an einer hohen Belastung, die auf den langen Lockdown zurückzuführen ist. Die Einschränkungen der öffentlichen Räume für Kinder verschärfen bestehende Ungleichheiten und erhöhen den Stress in den Familien UNICEF fordert einen Gipfel für Kinder, Jugendliche und Familien zur Bewältigung der Folgen der Corona-Krise. Dieser soll besonders Kinder und Jugendliche einbeziehen, um bestmöglich auf ihre Bedürfnisse einzugehen zu können.

Kinder und Jugendliche sind nach wie vor stark von der Corona-Pandemie betroffen. Ihrer Meinung nach wird aber zu selten auf ihre Bedürfnisse eingegangen. Sie fordern, dass ihre Sorgen ernst genommen werden und darauf Rücksicht bei den Corona-Beschlüssen genommen wird. Die Erwartungen an die Politik vor der kommenden Bundestagswahl im September steigen immer weiter an. Für die psychischen und belastenden Umstände müssen Lösungen gefunden werden. Ob diese von den Politiker*innen umgesetzt werden, bleibt abzuwarten.

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