Demonstranten in Washington
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USA in Aufruhr: Europäische Reaktionen im Vergleich

Nach dem Vorfall in Minneapolis beschäftigen wir uns in einer Artikelserie über die Konsequenzen sowie über die gesellschaftlichen und politischen Hintergründe des Vorfalls in den USA.

4 Minuten Lesezeit

Die USA erleben nach dem Vorfall um den getöteten Afroamerikaner George Floyd viele Demonstrationen gegen Polizeigewalt und auch gewaltsame Ausschreitungen. Die Welt reagiert unterschiedlich auf diese Situation – in Europa fallen die Reaktionen mal mehr, mal weniger heftig aus. In Frankreich hat sich die Situation zugespitzt, in Italien gibt es vereinzelte Aktionen gegen Polizeigewalt.

Vergangenen Dienstag, am 2. Juni 2020, kam es in Paris zu einer Demonstration mit über 20.000 Teilnehmern. Diese Demonstration sorgte auch für großes Aufsehen, da sie wegen der Corona-Krise von den Behörden nicht offiziell genehmigt wurde. Die Teilnehmenden setzten sich zwar gegen Polizeigewalt im Allgemeinen ein, doch die Demonstration hatte einen ganz bestimmten Ursprung.

Am 19. Juli 2016 kam der damals 24-Jährige Adama Traoré im Zuge einer Verhaftung durch die französische Gendarmerie nach rund zwei Stunden in Polizeigewahrsam ums Leben. Mehrere Untersuchungsberichte bestätigten in den Jahren danach, dass Traoré einen Erstickungstod erlitten hatte. Ein Polizist sagte aus, dass sie ihn zu dritt heruntergedrückt hätten. Am 29. Mai 2020 wurde ein vierter Untersuchungsbericht veröffentlicht, der die Polizisten entlastet. Der von Ermittlungsrichtern in Auftrag gegebene Bericht erklärt, Traoré sei an einem „kariogenen Ödem“ verstorben. Diese Aussage wurde von einem von der Familie beauftragten Experten kritisiert, seiner Meinung nach entstand das Ödem als Folge der Erstickung.

Die Demonstration vor einem Justizgebäude in Paris fing gegen 17:00 Uhr friedlich an. Auch in anderen französischen Städten gingen Menschen auf die Straße. Doch rund zwei Stunden später kamen bereits 15.000 Demonstranten in Paris zusammen, die teilweise sehr aggressiv auftraten. Es wurden Barrikaden aufgestellt und mehrere Mülltonnen angezündet. Nachdem Feuerwerkskörper gegen Polizisten eingesetzt wurden, fing die Polizei mit der Anwendung von Tränengas an. Es kam zu 18 Verhaftungen. Die französische Politik reagierte unterschiedlich auf die Demonstration und die gewaltsamen Szenen. Der französische Innenminister Christophe Castaner kritisierte die Ausschreitungen scharf und benannte sie auch als solche. Er versprach aber, „jegliche Fehler“ und rassistische Aussagen innerhalb der Polizei zu ahnden. Eine andere Bewertung kam von dem französischen Landwirtschaftsminister Didier Guillaume. Er stellte einen direkten Zusammenhang der Proteste in Frankreich mit den amerikanischen Demonstrationen her. Er verstehe die „unglaublichen“ Demonstrationen und forderte eine vollständige Aufklärung des Falls Adama Traoré.

In Italien ist das Thema um den Vorfall mit George Floyd und die landesweiten Demonstrationen in den USA weniger präsent. Die italienische Aktivistin Diletta Bellotti hat in verschiedenen italienischen Großstädten zu Flashmobs und Demonstrationen über die Instagram-Seite „Pomodori rosso sangue“ (Tomaten rotes Blut) aufgerufen, die unter anderem in Mailand, Florenz und Turin stattfinden werden. Sie sollen unter dem Motto „Black lives matter“ auf die Rechte von afroamerikanischen Bürgern hinweisen. Vor einigen Tagen fand ein sogenanntes „sit-in“ vor der US-Amerikanischen Botschaft in Rom statt. Schilder zeigten zum Beispiel „Justice 4 Floyd“ oder „Black lives matter“. Am 1. Juni veröffentlichte der römische Fußballclub AS Rom ein Foto, in dem man die Spieler kniend auf dem Rasen sah. Mit dieser Aktion verkündeten sie ihre Solidarität mit der Familie von George Floyd. Andere Vereine wie Inter Mailand folgten dem Beispiel aus Rom.

Die Reaktionen auf die Geschehnisse in den USA unterscheiden sich. Aktionen und Demonstrationen gab es unter anderem auch im Vereinigten Königreich, Spanien und Deutschland. In Berlin kam es am 31. Mai zu einer Protestaktion vor der US-Amerikanischen Botschaft am Brandenburger Tor.

Beitragsbild: unsplash.com / Koshu Kunii

Francesco Zimmermann

Seit der Gründung im September 2018 bin ich Projektleiter und Chefredakteur von Der Jungreporter. Ich beschäftgige mich vor allem mit europapolitischen und gesellschafltichen Themen. Als Abiturient engagiere ich mich für dafür, junge Menschen für den Journalismus zu motivieren.

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