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Der Weg zur Deutschen Einheit

Am 3. Oktober 1990, vor genau 30 Jahren, fand die Deutsche Wiedervereinigung statt. Wir behandeln dieses besondere Ereignis mit einer Artikelreihe zu diesem Thema.

9 Minuten Lesezeit

Ein Land, geteilt durch zwei. Das war bis 1990 in Deutschland Realität. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die sowjetische Besatzungszone 1949 zur Deutschen Demokratischen Republik, die DDR. Dieser Staat war kommunistisch und stand im Kalten Krieg zusammen mit der Sowjetunion und anderen Staaten des Ostblockes gegen die westlichen, kapitalistischen Demokratien. Wir möchten einen verständlichen Überblick darüber geben, wie es zur Gründung zweier deutscher Staaten und schließlich zur Deutschen Einheit kam.

Deutsche Teilung

Nach der Gründung der Bundesrepublik am 23. Mai 1949 wurde unter Einfluss der Sowjetunion am 7. Oktober 1949 auch auf dem Gebiet der sowjetischen Besatzungszone ein Staat gegründet. Die BRD stand unter dem wirtschaftlichen Einfluss des Westens und in den nächsten Jahren konnte durch das Wirtschaftswunder schnell ein hoher Lebensstandard erreicht werden. Der Marshallplan war ein amerikanisches Aufbauprogramm, welches von 1948 bis 1952 in ganz Westeuropa eine neue Grundlage für einen wirtschaftlichen Wiederaufbau sicherte. In der neu gegründeten DDR verlief die Nachkriegszeit anders. Es wurden zum Beispiel etliche zweigleisige Schienennetze rückgebaut, um die Schienen als Reparationszahlungen in die Sowjetunion zu transportieren. Viele Strecken blieben bis 1990 eingleisig. Auch industrielle Maschinen und komplette Fabriken wurden von der sowjetischen Besatzungsmacht abtransportiert.

Die DDR stand somit seit der Nachkriegszeit wirtschaftlich schlechter da als Westdeutschland und Westeuropa im Allgemeinen. Mit der Einführung des Kommunismus in Ostdeutschland wurden Privatunternehmen enteignet und wurden Teil einer Planwirtschaft, die hauptsächlich auf staatliche Betriebe setzte. Die „Volkseigenen Betriebe“, kurz VEB, standen unter Kontrolle der Zentralregierung der DDR in Berlin. Die ehemalige Reichshauptstadt wurde unter den vier Besatzungsmächten aufgeteilt und es entstand West-Berlin.

Wegen der schlechteren wirtschaftlichen Lage der DDR flohen von 1949 bis zum Mauerbau 1961 rund 2,7 Millionen Menschen aus der DDR in die BRD mit West-Berlin. Ab dem 13. August 1961 entstand die Berliner Mauer, um die Menschen zur Flucht in die BRD abzuhalten. Auch an der innerdeutschen Grenze entstanden Grenzzäune, die in den nachfolgenden Jahrzehnten bis in die 1980er Jahre hinein stetig ausgebessert und weiterentwickelt wurden. Eine Ausreise in die BRD war nicht mehr möglich, Menschen aus der DDR konnten höchstens in den kommunistischen Staaten in Mittel- und Osteuropa Urlaub machen.

Grundlagenvertrag und Kalter Krieg

Am 21. Juni 1973 trat der sogenannte Grundlagenvertrag zwischen der BRD und der DDR in Kraft. Beide Staaten bekannten sich zu gleichberechtigten Beziehungen. Ab diesem Zeitpunkt konnte man in der DDR einen Ausreiseantrag stellen, der es theoretisch ermöglichte, dauerhaft in die BRD auszureisen. Doch diese Anträge wurden teilweise erst nach Jahren gebilligt, in der Zwischenzeit wurde man in der DDR unter Druck gesetzt. Viele Anträge wurden auch abgelehnt. Die Grenzen waren geschlossen und das diktatorische DDR-Regime bespitzelte mit dem Ministerium für Staatssicherheit, kurz Stasi, die eigene Bevölkerung. Während des Kalten Krieges kam es zu einer Aufrüstung zwischen der USA und der Sowjetunion, der bundesdeutsche Geheimdienst BND und andere westliche Geheimdienste wie der amerikanische CIA spionierten in der DDR die politische Führung aus. Die Stasi bespitzelte neben der Bevölkerung auch westliche Regierungen und führte ihre Aufgaben mit einer beispiellosen Gewalt aus. Gefangene wurden misshandelt und gefoltert. Politische Gegner des SED-Regimes, der regierenden Sozialistischen Einheitspartei, wurden unter Druck gesetzt. Andere Parteien existierten zwar, wurden aber klein gehalten. Freie Wahlen fanden in der DDR nicht statt.

Egon Bahr (BRD) und Micheal Kohl (DDR) beantworten nach der Unterzeichnung des Grundlagenvertrages Fragen von Journalisten. Quelle: Bundesarchiv, Bild 183-L1221-0020 / Link, Hubert / CC-BY-SA 3.0

Friedliche Revolution und Mauerfall

Wegen der nicht effektiv funktionierenden Planwirtschaft geriet die Deutsche Demokratische Republik zunehmend in finanzielle Schwierigkeiten. Die DDR-Führung bemühte sich zwar, westliche Devisen zu akquirieren, doch konnte die heruntergekommene Wirtschaft nicht mehr lange am Leben halten. In den frühen 1980er-Jahren wurden der DDR Milliardenkredite gebilligt, die die Staatsverschuldung in die Höhe trieben. Viele Waren und Güter waren in der DDR nicht verfügbar. Die politische Stimmung änderte sich und immer mehr Menschen gingen auf die Straße, um ihre Meinung über die Führung zu signalisieren. Auch in anderen Staaten des Ostblockes kam es zu Protesten, die schrittweise die Ausreise von DDR-Bürgern in die Bundesrepublik über einen Umweg durch Ungarn ermöglichte. Auch über die bundesdeutsche Botschaft in Prag konnten tausende Menschen in die Bundesrepublik gelangen.

Die DDR-Führung plante daraufhin eine neue Regelung zur Ausreise, die es jedem DDR-Bürger ermöglichte, aus der DDR auszureisen. Genehmigungen sollten kurzfristig erteilt werden. Auf einer Pressekonferenz am Abend des 9. Novembers kündigte SED-Politbüro-Mitglied Günter Schabowski die neuen Regelungen an. Dabei war die Veröffentlichung erst am nächsten Morgen geplant. Die Nachricht verbreitete sich zügig und schnell standen in Ost-Berlin viele Menschen an den Grenzübergängen. Auf dem Druck der Bürger hin öffneten schließlich schrittweise alle Grenzposten. Ab dem 23. Dezember 1989 war offiziell die visumfreie Ausreise in die BRD und umgekehrt möglich.

In Berlin schlagen Menschen Stücke der Berliner Mauer ab. Bild: Frederik Ramm

Wiedervereinigung und Deutsche Einheit

Das DDR-Regime geriet verstärkt unter Druck. Kirchenvertreter der DDR riefen zum sogenannten „Runden Tisch“ auf. Dieses Organ wurde von Bürgern getragen und sprach sich für erste freie Wahlen in der DDR aus. Die SED-Führung verliert zunehmend an Macht, der neue SED-Parteivorsitzende Egon Krenz konnte die demokratischen Kräfte nicht mehr stoppen. Am 18. März 1990 fanden die ersten freien Wahlen der Volkskammer statt, dem DDR-Parlament. Alle Parteien konnten an den Wahlen teilnehmen, die CDU und das Wahlbündnis „Allianz für Deutschland“ konnten große Erfolge erzielen. Dieses Wahlbündnis wurde von Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) unterstützt, die CDU wurde mit 40 Prozent der Stimmen stärkste Kraft.  Erster demokratisch gewählter Ministerpräsident der DDR wurde Lothar de Maizière. Zusammen mit Kohl prägte er den Weg zu Deutschen Einheit.

Ab dem 1. Juli 1990 beschlossen BRD und DDR eine Wirtschafts- und Sozialunion. Die bundesdeutsche Deutsche Mark wurde Zahlungsmittel in der DDR. In den folgenden Monaten wurde der Einigungsvertrag verhandelt, der den Beitritt der DDR zur Bundesrepublik regeln sollte. Parallel dazu liefen Verhandlungen über den sogenannten „Zwei-plus-Vier-Vertrag“. Dieser regelte abschließend die staatliche Souveränität des neuen Deutschlands. Denn bis dahin hatten die ehemaligen Besatzungsmächte USA, das Vereinigte Königreich, die Sowjetunion und Frankreich noch Vorbehaltsrechte gegenüber der BRD und die DDR.

Am 3. Oktober war es nun soweit. Alle Deutschen feierten gemeinsam um Mitternacht die Wiedervereinigung vor dem Reichstagsgebäude in Berlin. Die DDR hörte als Staat auf, zu existieren. Die Bundesländer Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen wurden wiedergegründet und schon bald fanden die ersten deutschlandweiten Bundestagswahlen am 2. Dezember 1990 statt. In den nächsten Jahren wurden viele DDR-Betriebe durch die neu gegründete Treuhandanstalt privatisiert oder aufgelöst, was zu kontroversen Diskussionen und Verbitterung sorgte. Doch die Menschen in Ostdeutschland haben geschafft, was sie gefordert hatten: Demokratie, Freiheit und Rechtsstaatlichkeit.

Beitragsbild: US-Präsident Ronald Reagan appelliert zur Öffnung der Berliner Mauer vor dem Brandenburger Tor am 12. Juni 1987. Quelle: U.S. National Archives and Records Administration

Francesco Zimmermann

Seit der Gründung im September 2018 bin ich Projektleiter und Chefredakteur von Der Jungreporter. Ich beschäftgige mich vor allem mit europapolitischen und gesellschafltichen Themen. Als Abiturient engagiere ich mich für dafür, junge Menschen für den Journalismus zu motivieren.

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